Sprungmarken zu den wichtigsten Seitenabschnitten


Hauptinhalt Servicelinks


IHK Trier


Seitenkopf

Seitenhauptinhalt

Motiv: Thielen Automation (Foto: IHK Trier - Christopher Arnoldi)
(Foto: IHK Trier - Christopher Arnoldi)
  • 01.09.2026

    „Unsere Technologie wird international nachgefragt“

    Thielen Automation in Badem: KI und Robotik aus der Eifel für den Weltmarkt

  • Foto: Marcus Hormes
    Presse und Kommunikation

    Marcus Hormes

    Tel.: 0651 9777-122
    hormes@trier.ihk.de

Künstliche Intelligenz prägt nicht nur Sprachprogramme, sondern zunehmend auch die Entwicklung von Robotik und Automation als Schlüsselelemente der Industrie 4.0. Verschiedene Systeme werden miteinander vernetzt. Kollaborative Roboter arbeiten direkt mit Menschen zusammen. Was bedeutet das für die Wirtschaft in der Region? Blickpunkt Wirtschaft spricht mit einem preisgekrönten Unternehmen aus der Eifel, einem Informatik-Professor der Hochschule Trier und einem Konzern, der u.a. Greifersysteme von der Mosel einsetzt.

Bernd Thielen
bildet gemeinsam mit seinen Söhnen Lukas und Benedikt Thielen die Geschäftsführung von Thielen Automation in Badem bei Bitburg. Das Unternehmen wurde 2026 mit dem Innovationspreis Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Hinzu kommt eine Auszeichnung des Roboterherstellers Kuka für die innovativste Roboteranlage.

Thielen Automation spielt inzwischen eine wichtige Rolle auf dem Weltmarkt für Großwäschereien. Wie kam es zu Ihrem Einstieg in die Branche?
Mein Einstieg begann bei Miele Professional. Dort begleitete ich den Einsatz von Prototypen für Waschmaschinen und Trockner und erhielt früh Einblick in die Entwicklung neuer Technologien.
Später wechselte ich in den Vertrieb, bevor ich mich selbstständig machte. Ab 2005 entwickelten und bauten wir eigene Maschinen für industrielle Wäschereien, bauten ein Werk in Thailand auf und betreuten Kunden auf der ganzen Welt. 2018 verkauften wir schließlich unsere Unternehmensanteile.

Wie haben Sie den Strukturwandel in der Branche erlebt?
Seit Mitte der 1990er-Jahre verlagerte sich die Wäschebearbeitung zunehmend von einzelnen Hotels und Betrieben in industrielle Großwäschereien. Gleichzeitig nahm der Personalmangel stetig zu. Die Anforderungen an Effizienz, Automatisierung und Anlagengröße sind seitdem kontinuierlich gewachsen. Genau dieser Wandel prägt die Branche bis heute.

Warum haben Sie nach dem Verkauf Ihres Unternehmens einen neuen Anlauf zur Selbständigkeit gemacht?
Ich kannte die Herausforderungen großer Wäschereigruppen aus der Praxis und erkannte gleichzeitig, dass die Potenziale von Robotik, Automatisierung und Digitalisierung in der Branche noch kaum ausgeschöpft wurden. Genau darin sahen wir unsere Chance. Gemeinsam mit meinen Söhnen Lukas und Benedikt übernahmen wir 2019 ein Unternehmen und richteten es mit unserem
Know-how in Automatisierung und Maschinenbau konsequent auf die Anforderungen industrieller Wäschereien aus.

Was ist Ihr Kerngeschäft?

Unser Kerngeschäft ist die durchgängige Automatisierung & Digitalisierung von Großwäschereien. Wir modernisieren bestehende Anlagen, vernetzen Maschinen unterschiedlicher Hersteller und bilden sämtliche Materialflüsse in einer zentralen Software ab. Dadurch können unsere Kunden ihre vorhandenen, gut erhaltenen Maschinen weiterhin nutzen und ihre Investitionen gezielt in zusätzliche Automatisierung stecken – dort, wo sie einen direkten und messbaren Mehrwert schafft.

In welchen Ländern sind Sie hauptsächlich tätig?
Unsere Lösungen sind vor allem in Hochlohnländern gefragt, darunter Skandinavien, Österreich, Australien und Neuseeland. Wir arbeiten mit einigen der weltweit größten Wäschereigruppen zusammen und betreuen dadurch rund 1500 Standorte weltweit. Für unsere Robotik- und Automatisierungslösungen haben wir rund 30 Patente in unterschiedlichen Märkten angemeldet.

Wie funktioniert Ihr System?
Im Zentrum steht eine gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern entwickelte KI, die Schmutzwäsche erkennt. Ein Röntgensystem kontrolliert Berufskleidung zusätzlich auf  Fremdkörper wie Stifte oder Spritzen und schleust auffällige Teile aus. Mit einer österreichischen Wäschereigruppe konnten wir die Technik im laufenden Betrieb testen und zur Serienreife bringen. 

Finden Sie genügend Personal?
Fachkräfte zu finden, ist eine unserer größten Herausforderungen, auch durch die Nähe zu Luxemburg. Wir suchen vor allem Elektriker, Mechaniker und Ingenieure. Deshalb laden wir Schulklassen ein und lassen junge Menschen Technik praktisch erleben, etwa bei der Arbeit mit einem Roboter. So wecken wir Interesse an technischen Ausbildungsberufen. 

Wie wollen Sie die steigende Nachfrage bedienen?
Unsere Technologie wird international zunehmend nachgefragt. Deshalb prüfen wir neben einer Erweiterung unseres Standorts in Badem auch internationale Partnerschaften und Lizenzmodelle. Unser Ziel ist es, die Entwicklung von Software, KI und Automatisierungstechnik weiterhin in der Eifel zu konzentrieren und gleichzeitig weltweit zusätzliche Produktions- und Servicestandorte
aufzubauen.

Welche Wünsche haben Sie an Kapitalgeber und Politik?
Innovative Industrieunternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und langfristig orientierte Finanzierungspartner. Positiv hervorzuheben ist die Unterstützung unseres Neubaus in Badem durch die ISB. Für die Zukunft wünschen wir uns weniger Bürokratie, stärkere Investitionsanreize, die Förderung technischer Ausbildungsberufe und mehr Unterstützung für Unternehmen, die Innovation und Wertschöpfung in Deutschland aufbauen.

Weitere Artikel der Titelgeschichte zum Thema Robotik und Automation finden Sie hier:

Seitenfuß