Die STIHL-Gruppe feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen – mit rund 20.000 Mitarbeitenden, 55.000 Fachhändlern und Produktionsstandorten in acht Ländern. Hartmut Fischer ist Geschäftsleiter des 1971 gegründeten Magnesium-Druckgusswerks der ANDREAS STIHL AG & Co. KG mit rund 750 Mitarbeitenden in Weinsheim.
Welche Rolle spielt das Weinsheimer Werk innerhalb der STIHL-Gruppe?
Wir sind das Kompetenzzentrum für Magnesium-Druckguss. Anfangs wurden hier Magnesiumteile ausschließlich für STIHL-Produkte produziert, inzwischen auch für externe Kunden. Magnesium ist der leichteste Strukturwerkstoff. Für handgehaltene Produkte wie Motorsägen kommt es auf jede 100 Gramm an. Auch bei Autos, Motorrädern oder E-Bikes ist Leichtbau angesagt.
Was macht den Standort besonders?
Wir haben vor Ort die ganze Prozesskette und das Know-how: von der Gießerei über Entgratung, Beschichtung und Bearbeitung bis hin zur Vormontage. Dieser Rundum-
Service ist für die Kunden ein großer Vorteil. Zudem gewährleisten unsere Entwickler die magnesiumgerechte Auslegung der Produktion.
Was leisten Ihre spektakulärsten Maschinen?
Hier möchte ich die 29 Maschinen für das sogenannte Warmkammer-Verfahren nennen, das ideal für kompakte Bauteile ist. Darunter Maschinen mit einer Zuhaltekraft für die Form von 7.000 und sogar 10.000 kN – die gibt es weltweit nur hier.
Wie wichtig sind Robotik und Automation?
Sehr wichtig! In Weinsheim sind über 90 Robotersysteme im Einsatz, z.B. fahrerlose Transportsysteme. Ziel dabei ist es, über Automation Kosten zu senken und dadurch neue Aufträge zu generieren. Weil wir Prozesse effizient mit wenig Personal erledigen können, erhielten wir Aufträge, die Dutzende von Arbeitsplätzen on top brachten. Heute lautet die Frage: Wie kann ich einen hochautomatisierten Betrieb noch weiter automatisieren?
Wo sehen Sie Ansatzpunkte dafür?
Im Prinzip da, wo es noch viele manuelle Tätigkeiten gibt. Dabei hilft die Zusammenarbeit mit anderen Firmen: Wir haben das Wissen, was wir für ein Bauteil brauchen, zur Optimierung von Bearbeitungszeiten und Aufspannungsarten. Firmen wie MATHEUS Industrie-Automation aus Osann-Monzel sind spezialisiert auf Robotik und Greifersysteme. Gemeinsam entwickeln wir passgenaue Lösungen für die Produktion. Das sind für uns bedeutende Kooperationen.
Wie verändert der immer komplexere Maschineneinsatz die Arbeitswelt für den Menschen?
Es geht jedenfalls in Richtung höherer Qualifikation. Für die Zukunft brauchen wir Lösungen, die wir heute noch nicht kennen. Ein großer Trend ist die Vernetzung der Systeme, zum Beispiel zwischen Bearbeitungsmaschinen und Waschanlagen. Bei „Industrie 4.0“ fließen die Daten automatisiert mit.
Wie sichern Sie den Fachkräftenachwuchs?
Wir investieren kontinuierlich in die Ausbildung, das ist ein wesentlicher Faktor für uns. Unsere Auszubildenden absolvieren das erste Jahr im Berufsbildungszentrum in Prüm und kommen ab dem zweiten zu uns.
Was wünschen Sie sich von der Politik, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben?
Die Energiekosten tun uns weh. Die Energieinfrastruktur muss funktionieren. Wenn wir irgendwann komplett von Gas auf Strom umstellen, darf es nicht teurer werden, und die Strommengen müssen vorhanden sein. Allgemein gilt: Wenn Vorgaben aus Brüssel kommen, sollte Deutschland sie umsetzen und nicht noch strengere Regeln beschließen. Reformen und Entlastungen müssten deutlich schneller kommen.
Presse und Kommunikation
Marcus Hormes
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