Dieser Text ist vom 01.05.2025 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Kevin Gläser, Leiter Existenzgründung und Unternehmensförderung der IHK Trier, hat viele Menschen auf dem Weg in die Selbständigkeit und die dauerhafte Etablierung eines Unternehmens begleitet. Er kennt die Herausforderung: „Ein Einzelunternehmen ist formal schnell gegründet. Aber es gehört eine ordentliche Portion Engagement und Vorbereitung dazu, um es auf sichere Beine zu stellen.“
So gilt es schon von vorneherein genügend Zeit einzuplanen – ein halbes Jahr sollte es schon sein. Wer einen vernünftigen Businessplan aufstellt, hat dadurch schon alle wesentlichen Punkte im Blick wie zum Beispiel die Finanzplanung, die Markt- und Wettbewerbssituation und die Branchenentwicklung.
„Gründungswillige sind in ihrem Fachthema in der Regel fit, das haben sie im Griff. Aber für viele ist die kaufmännische, betriebswirtschaftliche Seite Neuland“, hat Gläser festgestellt. „Da gibt es Aufholbedarf.“
Infoabend und Businessplan-Webinar
Wer Beratung braucht und wünscht, wird von der IHK niedrigschwellig abgeholt – zum Beispiel beim regelmäßigen „Infoabend für Existenzgründer“. Alle zwei Wochen vermitteln Berater Grundlagen zu unterschiedlichen Rechtsformen, Finanzierung, Steuern, Versicherungen und Marketing. Ein Fahrplan in die Selbständigkeit.
Auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen, wird rege genutzt. Das zweistündige Webinar kostet 25 Euro pro Person. Wer sich anmeldet, bekommt einen Link, um sich online zuzuschalten.
Ein weiteres, monatliches Format ist das Webinar „Wie erstelle ich meinen Geschäftsplan?“ Dabei erfahren die Gründerinnen und Gründer, was sie beim Aufstellen eines Businessplans für ihr Unternehmen alles beachten sollten. Kosten: 90 Euro. Dauer: etwa 3,5 Stunden.
Unternehmenswerkstatt und individuelle Beratung
Eine hilfreiche Vorlage für den Businessplan bietet die kostenlose Plattform Unternehmenswerkstatt Rheinland-Pfalz (rlp.uwd.de). Nutzer registrieren sich, wählen etwa die Rubrik Existenzgründung und bekommen so Zugang zu einem breiten Angebot. Die Plattform bietet z.B. Checklisten, Merkblätter und Erklärvideos.
Ein wichtiger Baustein ist die individuelle Beratung durch die IHK-Experten im persönlichen Gespräch vor Ort, per Telefon oder E-Mail – natürlich auch für bereits etablierte Unternehmen.
Steuerberatersprechtag und Gewerbeanmeldung
„Zur Vertiefung nehmen wir Steuerberater aus der Region mit ins Boot und bieten alle zwei Monate einen Steuerberatersprechtag an“, erklärt Henry Erbel, Referent Existenzgründung und Unternehmensförderung der IHK. Interessenten bekommen so ein einstündiges Gespräch unter vier Augen zu ihren steuerlichen Fragen vermittelt.
Der formale Akt der Gewerbeanmeldung ist ebenfalls bei der IHK möglich – neben dem Weg über die Ordnungsämter der Kommunen. Kosten z.B. für ein Einzelunternehmen: 40 Euro.
Eine Selbständigkeit ist im Haupt- oder Nebenerwerb möglich. „Im Nebenerwerb ist das Risiko natürlich geringer, weil etwa über eine Angestelltentätigkeit gewisse Einnahmen fließen und Sozialversicherungen greifen“, sagt Erbel. „So können Existenzgründer ihre Geschäftsidee erst einmal testen und ggf. später in einen Vollerwerb umwandeln.“
Zuschüsse und Förderprogramme
In Zeiten höherer Arbeitslosigkeit gibt es in der Regel mehr Existenzgründungen, weil Betroffene darin eine berufliche Perspektive für sich sehen. Bei einer Gründung wegen Arbeitslosigkeit kann ein Gründungszuschuss beantragt werden. Zwingende Voraussetzung dafür ist ein Businessplan.
Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) hat ein Landesberatungsprogramm für Existenzgründer aufgelegt. Dabei gibt es Zuschüsse für die Einbindung von Beratern.
Gründungswillige, aber auch Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer müssen sich Fragen stellen wie:
• Welche Ausgaben kommen auf mich zu?
• Mit welchen Umsätzen kann ich realistisch betrachtet rechnen?
• Welches Einkommen brauche ich für mich?
Aus der Annahme eines durchschnittlichen Umsatzes pro Kunde ergibt sich dann, wie viele Kunden für ein auskömmliches Wirtschaften benötigt werden. Dabei wird gerne mit verschiedenen Szenarien wie dem angenommenen besten Verlauf, einem durchschnittlichen und dem schlechtesten Verlauf gearbeitet.
Vielfalt der Varianten an Persönlichkeiten und Ideen
„Die Klientel bei unseren Beratungen ist sehr unterschiedlich, vom Alter, Geschlecht, beruflichem Hintergrund und Bildungsweg“, sagt Kevin Gläser. „Die Variantenvielfalt an Persönlichkeiten und ihren Geschäftsideen macht unsere Aufgabe so abwechslungsreich und spannend. Das Arbeitsgebiet Beratung bringt täglich neue Erlebnisse und Erfahrungen mit sich. Niemand sollte sich scheuen, auf uns zuzukommen und seine Situation und Pläne zu schildern. Gemeinsam finden wir Lösungen.“
Wichtig für Gründungswillige ist, sich selbst und ihr Umfeld zu hinterfragen. Bin ich ein Unternehmertyp, der gerne Dinge anstößt, selbständig voranbringt, sich in neue Dinge einarbeitet? Oder orientiere ich mich eher an anderen?
Für alle Lebensphasen eines Unternehmens
Gläser: „Unser Ziel ist zunächst, den Interessenten für die Phase der Gründungsvorbereitung das Handwerkszeug zu vermitteln, das sie brauchen. Natürlich bleiben wir auch nach der Gründung Ansprechpartner in allen Lebensphasen des Unternehmens: Entwicklung, Etablierung, Expansion, mögliche Krisen und die Nachfolgeregelung.“