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IHK Trier


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  • 01.11.2022

    So wertvoll wie ein Studium

    Ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber: Die Höhere Berufsbildung mit Abschlüssen auf Bachelor- und Masterniveau bietet spannende Perspektiven.

  • Foto: Anne Janeczek
    Weiterbildung

    Anne Janeczek

    Tel.: (06 51) 97 77-7 51
    Fax: (06 51) 97 77-7 05
    janeczek@trier.ihk.de


Dieser Text ist vom 01.11.2022 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Sich selbst neue Perspektiven eröffnen und die Chance auf eine Karriere erhöhen, oder das Mitarbeiterpotenzial im Unternehmen heben und gezielt Fachkräfte aufbauen – das alles ermöglichen anspruchsvolle Lehrgänge der Höheren Berufsbildung. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, die zum jeweiligen Lebensentwurf passen. Die anstehenden Kosten können durch Förderungen abgedeckt werden.

400 Weiterbildungsangebote im IHK-Bildungszentrum allein in diesem Jahr: Das zeigt die Vielzahl der Möglichkeiten, die sich nach einer Berufsausbildung bieten. Das Angebot reicht von Tagesseminaren über Sprachkurse und Zertifikatslehrgänge bis hin zur Königsklasse der Weiterbildungen, den Lehrgängen für die Höhere Berufsbildung. Wer sich für diese entscheidet, hat aus rund 20 Lehrgängen jährlich die Wahl, und kann sich nach erfolgreichem Abschluss mit dem Titel Betriebswirt, Meister oder Fachwirt schmücken. „Diese Abschlüsse sind dem Bachelor-Abschluss an einer Universität gleichgestellt!“, erläutert Anne Janeczek, Leiterin des IHK-Bildungszentrums, „denn genau wie diese gehören sie der Stufe sechs im Deutschen Qualifikationsrahmen an.“ Interessant sei auch, dass man die Weiterbildung berufsbegleitend machen könne – zwischen einem und drei Jahre laufen die Lehrgänge, meist an einem Wochentag abends und samstags vormittags.
Viele Arbeitgeber sehen einen Abschluss als Meister oder Fachwirt gerne, weil damit bereits Praxiserfahrung verbunden ist. „Oft haben diese Personen eine Ausbildung absolviert, eine Zeit lang im Beruf gearbeitet und sind dann in die Weiterbildung gestartet“, sagt Janeczek. „Diese Leute wissen, wie es in den Betrieben läuft, sie kennen die Arbeitsabläufe und waren im Arbeitsleben. Das ist für so manchen Chef ein echter Mehrwert“, so die Expertin.
Sie ergänzt. „Gleichzeitig zeigen diese Personen, dass sie motiviert und belastbar sind, da die Fortbildungen berufsbegleitend stattfinden. Die Mitarbeiter gehen voll arbeiten und setzen sich zudem freiwillig in die Kurse, die sie auch vor- und nachbereiten. Dazu müssen sie lernen und sich auf die Prüfungen vorbereiten. Das erfordert Disziplin und Willen.“ Sie weiß aus Erfahrung: „Das wissen viele Personalverantwortliche zu schätzen.“
Aus ihrer Sicht hat eine Höhere Berufsbildung im Anschluss an eine Ausbildung weit mehr Vorteile als ein anschließendes Studium: „Als Student muss man nebenher jobben, um Studium und Lebensunterhalt unter einen Hut zu bekommen. Als Mitarbeitender eines Betriebs bezieht man sein Gehalt, sammelt weiter Berufserfahrung und kann die Fortbildung über Förderungen finanzieren.“
Noch bevorzugen viele junge Menschen das Studium, trotz der guten Argumente für die Ausbildung mit Höherer Berufsbildung. Der Grund liegt laut Janeczek klar auf der Hand: Die genauen Möglichkeiten sind einfach noch zu wenig bekannt. Sie berichtet: „Wir stellen unsere Angebote in den Berufsschulklassen vor und merken immer wieder, dass viele bereits davon gehört haben, aber nicht genau wissen, wie die Fortbildungen zum Betriebs-, Fachwirt oder Meister genau aussehen und wie sie die ersten Schritte dahin machen können.“ Weiter erklärt sie: „Ein anderer Punkt neben der Unkenntnis ist, dass viele dem Universitätsabschluss einen höheren Stellenwert einräumen, obwohl die höhere Berufsausbildung dem Bachelor gleichgestellt ist. Daher werden nun die Titel, den man bei der Höheren Berufsbildung erreichen kann, in vielen Bereichen geändert, um eine Gleichwertigkeit bei der Nennung zu erreichen.“ So wird der „Geprüfte Betriebswirt“ beispielsweise ein „Master Professional in Business Management.“

Förderungen einfach und kostendeckend
Vierstellige Kosten – einfach zu teuer! Dieser Gedanke ist es, der für viele die entscheidende Hürde für eine Höhere Berufsbildung darstellt. So kostet eine Weiterbildung zum Fachwirt beispielsweise 3500 Euro, eine zum „Bachelor professional Bilanzbuchhalter“ 5000 Euro und die zum Meister 7000 Euro. Dabei vergessen sie eines: Die Summen können für Privatpersonen komplett gefördert werden! „Oft bleibt sogar noch etwas Geld übrig“, schmunzelt Anne Janeczek. Sie rechnet das an einem Beispiel vor: Wenn man sich etwa zum Bachelor professional Bilanzbuchhalter weiterbilden will (startet bereits am 19. Dezember 2022 wieder), muss man 5000 Euro Kursgebühr zahlen. Dazu entstehen 700 Euro Prüfungsgebühren und 400 Euro für Fachliteratur. Das macht insgesamt einen Betrag von 6100 Euro über den gesamten Zeitraum.
Dafür kann man allerdings gleich mehrere Förderungen beantragen: Zunächst gibt es das Aufstiegs-BAföG, durch das bereits 50 Prozent der Kosten gedeckt werden können. Einzige Voraussetzung: Man muss sich in einer Beschäftigung befinden. Bleiben bei unserer Beispielrechnung 3050 Euro Kosten übrig. Das BAföG-Amt schickt automatisch eine Nachricht an die KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Diese bietet für die Restsumme von 3050 Euro ein Darlehen an, von dem nur die Hälfte zurückzuzahlen ist. Dazu Anne Janeczek: „Es ist tatsächlich so, dass man fünfzig Prozent von der KfW-Bank geschenkt bekommt – und das sollte man auch nutzen!“ Es bleibt in unserem Fall also eine Restsumme von 1525 Euro.
Der dritte Fördertopf, den man in Anspruch nehmen kann, ist der „Aufstiegsbonus“. Damit wird ein erfolgreicher Abschluss in Höhe von 2000 Euro honoriert. „So bleibt unter dem Strich fast immer ein Plus“, weiß die Leiterin des Bildungszentrums der IHK.
Sehr beliebt sind bei den Höheren Berufsbildungen der Industriemeister oder der Wirtschaftsfachwirt. Im Bereich Personal nehmen viele an der Fortbildung Personalfachkaufmann teil. In diesem Dezember beginnen noch die Lehrgänge für die Bilanzbuchhalter, den Geprüften Wirtschaftsfachwirt, den Technischen Betriebswirt und den Industriemeister Metall. (siehe Seite 13)
240 Prüflinge haben 2021 ihren Abschluss bei der IHK Trier in der Höheren Berufsbildung angestrebt, über 90 Prozent von ihnen haben bestanden und konnten nach teils jahrelangem Einsatz stolz die Sektkorken knallen lassen. Das liegt auch am Einsatz der Dozenten, die aus der Wirtschaft kommen und oft selbst bereits bei der IHK einen Abschluss gemacht haben. Anne Janeczek: „Leute, die hier mit einem sehr guten Abschluss rausgegangen sind und zu denen wir weiter Kontakt haben, fragen wir, ob sie sich vorstellen können, als Dozenten bei uns tätig zu sein. Oft ist das der Fall.“ Viele der angebotenen Lehrgänge der Höheren Berufsbildung gibt es schon seit Jahren und Jahrzehnten. Dabei orientieren sich die Inhalte immer an dem aktuellen Berufsbildungsgesetz, das die Prüfungsordnung vorgibt und regelt, wer zugelassen ist. Anne Janeczek erklärt: „Der Betriebswirt ist beispielsweise überarbeitet worden. In der Prüfung wird nun auch Englisch abgefragt, und deshalb bereiten wir natürlich auch auf diesen Prüfungsteil vor.“

Anspruchsvolle Prüfungen mit Praxisbezug
Was in diesen Prüfungen vorkommt, weiß Britta Ubl sehr genau. Sie ist seit 2001 Prüferin bei den Industriemeistern im Bereich Personalwesen und im Bereich kaufmännische Berufsausbildungen. Als Personalleiterin bei Bilstein & Siekermann in Hillesheim kennt sie sich in diesem Bereich hervorragend aus. 110 Mitarbeiter sind bei dem mittelständischen Hersteller von präzisen Umformteilen aus Metall beschäftigt.
Die Fachaufgaben und die praktische Prüfung nimmt sie zusammen mit unterschiedlichen Prüfungsteams in den Themenfeldern Personalführung und -verwaltung ab. So gibt es bei den Industriemeistern beispielsweise einen Basis- und einen handlungsspezifischen Teil. Dazu gibt es schriftliche und mündliche Prüfungen. Britta Ubl erklärt den Ablauf: „Im Themenfeld Personal gibt es Situationsaufgaben, für deren Bearbeitung die Prüflinge 20 Minuten Zeit haben. Dann stellen sie dem Prüfungsausschuss ihre Ergebnisse vor.“ Konkreter führt sie aus: „Eine Aufgabe könnte etwa sein: Ein Mitarbeiter, der eine bestimmte Maschine bedient und eine spezielle Qualifikation dafür hat, geht in zwei Jahren in Rente. Wie wollen Sie diese Lücke schließen? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Aufgabe zu bearbeiten. Der Prüfling könnte beispielsweise sagen, er sucht jemand Neuen, intern und/oder extern und arbeitet ihn auf der Maschine ein. Es ist wichtig, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Der Prüfling soll seine Erfahrungen aus dem Unternehmen bei der Lösung der Aufgabe miteinbringen, so die Erwartung des Prüfungsausschusses.“
Sich selbst schätzt sie als strenge Prüferin ein und begründet das so: „Wir sind hier bei der IHK alle erfahrene Prüfer und wissen, worauf es bei der Arbeit mit Personal ankommt. Da stellen wir schon Ansprüche.“ Ein wenig stolz ist sie, dass auch in der Pandemie ein gutes Niveau beim Unterricht gehalten werden konnte. „Die Dozenten konnten in der Corona-Krise online ihre Inhalte an die Schüler weitergeben.“ Ihrer Meinung nach geht es aber nicht ohne den gegenseitigen Austausch der Lehrgangsteilnehmer. „Der ist gerade im Fach Personal im Präsenzunterricht beispielsweise durch Rollenspiele und Diskussionen zu realisieren.“
Dabei verlangt die nebenberufliche Weiterbildung den Teilnehmern einiges ab, was auch den Dozenten und Prüfern bewusst ist. „Sich über mehrere Jahre an zwei Tagen in der Woche dem Lernen zu widmen, neben der Arbeit und oft auch neben dem Schichtbetrieb, dazu in Fächern, von denen man schon länger nichts gehört hat, das ist schon eine Leistung. Dazu kommen Unterrichts- und Klausurvorbereitungen sowie die Vereinbarkeit mit der Familie, die dadurch schwer zu bewerkstelligen ist.“
Große Erfolgsaussichten haben nach ihrer Erfahrung häufig Personen, die bereits erste Führungserfahrung im Unternehmen gesammelt haben, die vielleicht ein Projektteam leiten oder den Abteilungsleiter vertreten. „Eine konkretes Ziel, was man mit dieser Zusatzqualifikation machen will, ist eine gute Motivation. Man kann die Inhalte, die man hier lernt, schnell auf das eigene Unternehmen und seine Arbeit projizieren. Das Lernen fällt dann leichter.“ Die Mitarbeit im Unterricht sowie die Vor- und Nachbereitung sind ebenfalls sehr wichtig. „Ohne die ist es kaum möglich, die Prüfungen zu bestehen“, weiß Britta Ubl. Das Wichtigste ist aber aus ihrer Sicht: „Man muss mit Herz und Überzeugung dran gehen. Wer nur mehr Geld verdienen und die Karriereleiter hochsteigen will, hat häufig nicht die besten Chancen, nachher im Unternehmen erfolgreich zu sein.“  
Bei Bilstein & Siekermann geht sie aktiv auf Mitarbeiter zu, um ihnen eine Qualifizierung anzubieten. „Wir schauen uns im Rahmen der Personalplanung an, in welchen Abteilungen Bedarf ist und überlegen, wer für die Aufgabe geeignet sein könnte.“ In einem anschließenden Gespräch mit dem Beschäftigten sprechen sie über die Fortbildung, die zeitlichen Abläufe, die persönliche Situation, die Finanzierung und die Erwartungen des Unternehmens an die Person. „Teilweise finanzieren wir vom Betrieb aus, andere zahlen selbst“, erklärt sie. “Der größte Lohn all der Anstrengungen ist dann die Übernahme in einer herausfordernden Tätigkeit, gegebenenfalls mit Personalverantwortung im Unternehmen, die einem liegt und gefällt“, so Britta Ubl.

Mit dem Vertrauen des Betriebs in die Weiterbildung

Eine reelle Chance auf einen beruflichen Aufstieg sah auch Simon Kollmann bei der Firma Quint in Kenn. Im Jahr 2013 begann er dort seine Ausbildung zum Industriekaufmann und machte vier Jahre später den Ausbilderschein. In der Personalabteilung wollte er sich weiter qualifizieren und fand in seiner Vorgängerin eine Fürsprecherin und Mentorin. „Sie hat mich darin bestärkt, den Personalfachkaufmann IHK, der einem Bachelor gleichgestellt ist, anzugehen.“ Weiter berichtet Kollmann: „Es ist nicht selbstverständlich, dass ich mit 26 Jahren bereits ein solches Vertrauen von Seiten der Geschäftsleitung erfahren darf.“
Über neun Monate besuchte er einen Samstagskurs von 8:00 bis 16:00 Uhr. Auf dem Lehrplan standen Handlungsbereiche wie Arbeitsrecht und Mitarbeiterentwicklung. „Mir hat insbesondere die praxisnahe Ausrichtung der Inhalte sowie die Möglichkeit der sofortigen Umsetzung des Erlernten im Betrieb zugesagt.“ In dieser Zeit mussten Familie und Hobbys etwas zurückstehen. „Dazu war ich aber gerne bereit, da ich wusste, dass die lernintensive Phase zeitlich begrenzt war und ich ein konkretes Ziel vor Augen hatte“, berichtet er. Neben dem reinen Lehrstoff war für ihn der Austausch mit den anderen Teilnehmern und Dozenten sehr wertvoll. Dazu sagt Kollmann: „Ein Großteil der Teilnehmer war im Personalwesen tätig. Unter uns hat sich ein Netzwerk gebildet, das bis heute besteht. Wir tauschen uns beispielsweise über verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten im Betrieb aus. Neben der fachlichen Vertiefung stellt dies für mich einen zusätzlichen Gewinn dar.“
Durch die kleine Gruppe, bestehend aus knapp zwanzig Teilnehmern, konnte die Wissensvermittlung effektiv und individuell gestaltet werden. „Um die eigenen Schlüsselqualifikationen zu fördern, muss man selbstverständlich Zeit investieren“, meint Kollmann und ergänzt: „Aber neben der Bereicherung für meinen Arbeitgeber trägt dies insbesondere zur beruflichen und persönlichen Entwicklung bei.“
Nach Abschluss der Weiterbildung habe man etwas in der Hand, was einem keiner mehr nehmen könne, so Kollmann. „Ich bin seitdem an meinen täglich neuen Aufgaben gewachsen. Ich weiß, was ich bisher geleistet habe und das motiviert!“
Inzwischen ist Kollmann Personalleiter der Firma Quint sowie Prüfer und Dozent bei der IHK Trier. Die Weiter- und Fortbildung hat für ihn nach wie vor einen hohen Stellenwert. „Themen wie Mitarbeiterentwicklung und Fachkräftesicherung sind aufgrund der Schnelllebigkeit in der Arbeitswelt wichtiger denn je. Wir gehen aktiv auf unsere Mitarbeiter zu und fördern sie durch individuelle und zielgerichtete Weiterbildungsmaßnahmen. Davon profitieren wir auch als Betrieb, weswegen wir unsere Mitarbeiter gerne währenddessen finanziell unterstützen.“

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