„Das regionale Konjunkturklima hat sich über den Sommer aus einem tiefen Tal aufwärts gearbeitet, aber der Weg bis zum langjährigen Durchschnittswert ist erst zur Hälfte zurückgelegt“, stellt Jennifer Schöpf-Holweck, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, fest.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator ist spürbar von 87 Punkten im Frühjahr auf aktuell 98 Zähler gestiegen (Dienstleistungssektor 106; Handel 83; Industrie 99; Gastgewerbe 98). Damit liegt er laut Kammerangaben nahe der neutralen 100er-Marke, aber weiterhin deutlich unterhalb des Vorkrisenwerts der 2010er Jahre von etwa 120 Punkten. An der IHK-Befragung haben sich im Herbst 169 Unternehmen mit mehr als 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beteiligt.
Die Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage überwiegend als zufriedenstellend: 29 Prozent machen gute, 47 Prozent befriedigende und 24 Prozent schlechte Geschäfte. Der Blick in die wirtschaftliche Zukunft bleibt von Vorsicht geprägt, fällt aber spürbar weniger pessimistisch aus als noch im Frühjahr. 17 Prozent der Befragten erwarten bessere, 57 Prozent gleichbleibende und 26 Prozent schlechtere Geschäfte in den kommenden 12 Monaten. Das ergibt einen negativen Saldo von optimistischen und pessimistischen Prognosen in Höhe von -9 Prozentpunkten nach -30 Prozentpunkten in der Vorumfrage.
„Das aktuelle Konjunkturbild ist zwiespältig. Die Geschäftslage ist allgemein zufriedenstellend, hat sich über den Sommer allerdings nicht verbessert. Die mittelfristigen Geschäftserwartungen lassen die schlimmen Befürchtungen des Frühjahrs zwar hinter sich, geben aber auch keinen Anlass zu Euphorie“, sagt IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt.
Das hat laut Schmitt auch mit den Investitions- und Beschäftigungsabsichten der regionalen Unternehmerschaft zu tun: „Grundvoraussetzung für einen stabilen, sich selbst tragenden Aufschwung sind steigende Investitionen, die dann Personaleinstellungen nach sich ziehen. Beides sehen wir derzeit noch nicht. Per Saldo wollen die Betriebe ihr Investitionsengagement in den kommenden 12 Monaten zurückfahren – insbesondere hat sich die Bremse beim Investitionsmotiv Kapazitätserweiterungen nicht gelöst. Auch die Personalplanungen gestalten sich weiterhin rückläufig.“
In der branchenbezogenen Betrachtung hat der Dienstleistungsbereich, wie bereits in den vergangenen Jahren, konjunkturell die Nase vorn, während der endkundenorientierte Handelssektor diesbezüglich weiterhin die rote Laterne in Händen hält.
Gemischte Signale meldet die Kammer mit Blick auf die für die regionale Wirtschaftsentwicklung zentrale Industriebranche. Während die Geschäftslage zurückhaltender bewertet wird, fallen die mittelfristigen Geschäfts- und auch die Exporterwartungen gegenüber dem Frühjahr weniger skeptisch aus. Kapazitätsauslastung und Auftragsbestände bewegen sich auf Durchschnittsniveau, wobei die regionale Auftragseingangsdynamik in den zurückliegenden Monaten jedoch verhalten blieb.
„Wir sehen zwar eine Aufhellung des Konjunkturklimas, sind von einer wirklichen Aufbruchstimmung aber weit entfernt. Wenn wir eine solche entfachen wollen, muss endlich getan werden, was die Wirtschaft seit Jahren anmahnt: durchgreifende, die Unternehmen entlastende wirtschaftspolitische Reformen. Also weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren, niedrigere Steuern, Lohnnebenkosten und Energiepreise“, fordert Jennifer Schöpf-Holweck.
Standortpolitik
Dr. Matthias Schmitt
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