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Motiv: Elektronische Bezahlung (Foto: Ladysuzi - Stock.Adobe.com)
(Foto: Ladysuzi - Stock.Adobe.com)
  • 06.07.2026

    Die Zukunft des Bezahlens: Was bringt uns der digitale Euro?

  • Foto: Dr. Matthias Schmitt
    Standortpolitik

    Dr. Matthias Schmitt

    Tel.: 0651 9777-901
    schmitt@trier.ihk.de

Ob beim Bäcker, im Onlineshop oder beim schnellen Kaffeekauf zwischendurch: Die Deutschen bezahlen zunehmend bargeldlos. Laut Bundesbank steigt der Anteil digitaler Zahlungen seit Jahren kontinuierlich. 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr als die Hälfte aller Transaktionen sowie mehr als drei Viertel des gesamten Umsatzes ohne Münze oder Geldschein abgewickelt.
 
Vor diesem Hintergrund haben Politik und Europäische Zentralbank (EZB) das Projekt „digitaler Euro" gestartet. Dabei geht es um einen digitalen Zwilling des physischen Bargelds, der als flächendeckende, grenzübergreifende und digitale Zahlungsinfrastruktur für den gesamten Euroraum funktionieren soll. Laut EZB weist der europäische Zahlungsverkehr derzeit strukturelle Schwächen auf. Nach einer aktuellen Analyse sind in zwei Dritteln der Euroländer Bürgerinnen und Bürger bei Kartenzahlungen allein auf die Infrastruktur internationaler – überwiegend US-amerikanischer – Anbieter angewiesen. Damit entfielen im ersten Halbjahr 2024 bereits 66 Prozent aller Kartenzahlungen im Euroraum auf internationale Systeme. Im digitalen Handel gibt es für weite Teile Europas keine paneuropäische Alternative.
 
Nachdem die EZB Ende 2025 ihren Abschlussbericht zur Vorbereitungsphase vorgelegt hat, laufen die Verhandlungen zur Einführung des digitalen Euro auf europäischer Ebene auf Hochtouren.
 
Was ist der digitale Euro – und was ist er nicht?
Kurz gesagt: Der digitale Euro fällt in die Kategorie Zentralbankgeld. Es handelt sich also – wie beim Bargeld – um direkt von der Zentralbank ausgegebenes Geld. Wichtig ist die Abgrenzung zu bestehenden Systemen: Der digitale Euro ist kein Bargeld-Ersatz, er soll das physische Bargeld ausdrücklich ergänzen. Münzen und Scheine bleiben erhalten und bekommen nach rund 25 Jahren sogar ein neues Design.
 
Außerdem steht hinter dem digitalen Euro eine staatliche Gemeinschaft – anders als bei Kryptowährungen wie Bitcoin. Daher ist er genauso sicher und stabil wie das Geld im Portemonnaie. Zuletzt verbirgt sich hinter dem digitalen Euro mehr als Buchgeld: Wer heute per Karte oder Banking-App zahlt, nutzt sogenanntes Buchgeld privater Banken – also Geld, das eine private Bank geschaffen hat. Der digitale Euro hingegen ist eine direkte, staatlich garantierte Forderung gegen die Zentralbank.
 
Die drei großen Versprechen: Resilienz, Kosten und Datenschutz
Die Befürworter des Projekts sehen im digitalen Euro eine historische Chance, die europäische Infrastruktur auf drei Ebenen zukunftsfest zu machen:
 
1. Unabhängigkeit und Resilienz:Wer heute elektronisch bezahlt, nutzt oftmals die Infrastruktur großer, meist außereuropäischer Konzerne wie Visa, Mastercard oder PayPal. In Krisenzeiten oder bei geopolitischen Spannungen könnte diese Abhängigkeit als politisches Druckmittel genutzt werden. Der digitale Euro bietet ein rein europäisches Bezahlsystem, das die monetäre Souveränität und strategische Autonomie des Euroraums sichert.
 
2. Niedrigere Kosten für die Wirtschaft:
Jede Kartenzahlung kostet Händler und Unternehmen Gebühren, die sich spürbar summieren. Die EZB strebt mit der neuen Digitalwährung eine kostengünstige Alternative an, die den Wettbewerb belebt und insbesondere den Handel entlastet.
 
3. Datenschutz nach Bargeld-Vorbild: Beim heutigen digitalen Bezahlen wandern Daten über viele Stationen und können potenziell abgeschöpft werden. Der digitale Euro verspricht kürzere Wege, weil Drittanbieterinfrastrukturen des konventionellen digitalen Bezahlens wegfallen und höchste EU-Datenschutzstandards eingehalten werden. Besonders spannend: Es soll eine Offline-Funktion (etwa für Zahlungen von Person zu Person) geben. Dabei erfahren nur Sender und Empfänger von der Transaktion: maximale Anonymität – genau wie beim Bargeld.
 
Abseits des alltäglichen Einkaufs ermöglicht die Währung auch der Wirtschaft automatisierte Zahlungen. Ein praktisches Beispiel aus der Logistik: Sobald eine Lieferung im Lager ankommt und gescannt wird, löst das System die Zahlung vollautomatisch aus – ohne manuellen Aufwand und bürokratische Freigabeprozesse. Auch nutzungsabhängige Abrechnungen (Pay-per-Use) oder Kleinstzahlungen (Micropayments) lassen sich für Betriebe so kostengünstig abbilden.
 
Mehrwert schärfen, Systemstabilität sichern
Trotz der Chancen ist eine gesunde Skepsis angebracht. Es gibt bereits etablierte digitale Zahlungsmöglichkeiten, die von privaten Zahlungsdienstleistern angeboten werden. Deswegen darf der versprochene Mehrwert eines digitalen Euro nicht nur postuliert werden, sondern muss sich auch materiell in konkreten Vorteilen widerspiegeln. Ansonsten wäre er nur ein weiterer Wettbewerber auf dem Markt für digitale Zahlungsdienstleistungen.
 
Außerdem könnte ein flächendeckender Abzug von Kundeneinlagen, ein digitaler Bankrun, die Stabilität unseres Bankensystems gefährden: In einer Krisensituation würden Menschen, analog zu einem physischen Bankrun, ihr Geld von den Girokonten abziehen und in digitalen Euro umwandeln. Kreditinstitute, die Einlagen auf Girokonten klassischerweise für das Liquiditätsmanagement nutzen, bekämen Probleme. Um das zu verhindern, wird es ein Haltelimit geben. Aktuell wird eine Obergrenze zwischen 500 und 3.000 Euro pro Person diskutiert, zudem wird das Guthaben nicht verzinst.
 
Digitaler Euro wird Realität
Vergangene Woche hat sich der Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europaparlaments positioniert. Damit können im zweiten Halbjahr 2026 in Brüssel die Verhandlungen zwischen Parlament, Kommission und Rat (Trilogverhandlungen) beginnen und das Gesetzgebungsverfahren in die entscheidende Phase eintreten. Dann könnte der digitale Euro ab 2029 Realität auf unseren Smartphones und Kassenterminals werden.
 
Wegen der hohen Relevanz für die gesamte gewerbliche Wirtschaft hat sich das Präsidium der Deutschen Industrie- und Handelskammer am 25. Juni zur Einführung des digitalen Euro geäußert. Beschlossen wurde eine Position, bei deren Erstellung unsere Mitgliedsunternehmen aus unterschiedlichsten Bereichen der Realwirtschaft und des Finanzsektors eng eingebunden waren.

Sie finden die Position hier.

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