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Motiv: A1-Lückenschluss statt Sackgasse! (Foto: Marcus Hormes)
(Foto: Marcus Hormes)
  • 19.10.2026

    A1-Lückenschluss: IHK Trier richtet offenen Brief an den BUND

  • Foto: Sebastian Klipp
    Presse und Kommunikation

    Sebastian Klipp

    Tel.: 0651 9777-121
    klipp@trier.ihk.de

Offener Brief an Sabine Yacoub, Landesvorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz, und die Mitglieder des BUND Rheinland-Pfalz zum A1-Lückenschluss: Verantwortung für die Umwelt und die Menschen gemeinsam denken

Sehr geehrte Frau Yacoub, sehr geehrte Mitglieder des BUND Rheinland-Pfalz,

mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass der BUND Rheinland-Pfalz am 7. Oktober 2026 Verfassungsbeschwerde im Zusammenhang mit dem A1-Lückenschluss eingelegt hat. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht die Klage des BUND im November 2025 abgewiesen und im August 2026 auch die Anhörungsrüge zurückgewiesen hat, wird die juristische Auseinandersetzung nun fortgesetzt. Für die Menschen und Unternehmen unserer Region bedeutet dies vor allem weitere Unsicherheit bei einem Infrastrukturprojekt, dessen Fertigstellung seit Jahrzehnten erwartet wird.

Wir respektieren das Engagement des BUND für den Natur- und Artenschutz ausdrücklich. Auch das Verbandsklagerecht ist ein wichtiger Bestandteil unseres Rechtsstaates. Es ermöglicht Umweltverbänden, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben überprüfen zu lassen und die Interessen des Naturschutzes wirksam zu vertreten. Daran besteht für uns kein Zweifel. Aber ein Recht in Anspruch nehmen zu können, bedeutet nicht zwangsläufig, dass es auch verantwortungsvoll ist, jede juristische Möglichkeit bis zum Äußersten auszuschöpfen. Deshalb halten wir es für legitim und notwendig, nicht nur die rechtlichen Möglichkeiten, sondern auch die Auswirkungen ihrer Inanspruchnahme auf die betroffenen Menschen, Unternehmen und Regionen in den Blick zu nehmen.

Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil vom 18. November 2025 die Klage des BUND abgewiesen und dabei auch die besondere Bedeutung einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur für die öffentliche Sicherheit hervorgehoben. Diese reicht weit über wirtschaftliche Interessen hinaus. Es geht um die Versorgung der Bevölkerung, verlässliche Lieferketten und die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft. Als Bestandteil des transeuropäischen Verkehrsnetzes besitzt die A1 zudem eine Bedeutung, die über unsere Region hinausgeht.

Selbstverständlich steht es dem BUND frei, die Entscheidung verfassungsrechtlich überprüfen zu las-sen. Dennoch stellt sich aus unserer Sicht die Frage, ob die Fortsetzung der juristischen Auseinandersetzung nach den bisherigen gerichtlichen Entscheidungen noch in einem angemessenen Verhältnis zu den Folgen für die Region steht. Wie viele Instanzen, wie viele weitere Jahre und wie viele zusätzliche Belastungen für die Menschen in unserer Region sollen noch folgen? Wir wünschen uns, dass der BUND bei seiner Entscheidung über das weitere Vorgehen auch diese Auswirkungen berücksichtigt.

Seit mehr als 50 Jahren wird über den Lückenschluss der A1 diskutiert. Noch immer fehlen rund 25 Kilometer, um eine wichtige Nord-Süd-Verbindung zu vervollständigen. Für zahlreiche Unternehmen bedeutet dies längere Transportwege, höhere Kosten und Standortnachteile. Besonders betroffen sind mittelständische Betriebe, die Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern und wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Eifel beitragen. Auch für die Bevölkerung hat die fehlende Verbindung spürbare Auswirkungen auf die Erreichbarkeit und die Verkehrsbelastung in den betroffenen Ortschaften.

Dabei verdient auch die Umweltbilanz des ausbleibenden Lückenschlusses Beachtung. Nach Berechnungen aus dem Planfeststellungsverfahren könnten durch die vollständige Verbindung jährlich rund 66,5 Millionen Fahrkilometer, 1,5 Millionen Fahrstunden und etwa 3.000 Tonnen Treibstoff eingespart werden. Hinzu kommen mögliche Entlastungen durch weniger Ausweichverkehr, Lärm und Abgase in den betroffenen Ortschaften. Diese Effekte sollten bei einer umfassenden Betrachtung ebenso berücksichtigt werden wie die Eingriffe in Natur und Landschaft, die mit dem Bau verbunden sind.

Uns ist bewusst, dass der Ausbau einer Autobahn erhebliche Auswirkungen auf Natur und Umwelt haben kann. Der Schutz von Lebensräumen und Arten ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Planung. Gleichzeitig müssen auch die langfristigen Auswirkungen einer fehlenden Verkehrsanbindung auf Menschen, Unternehmen und Umwelt berücksichtigt werden. Unser Anliegen ist es, diese unterschiedlichen Interessen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern zu einer ausgewogenen Gesamtbetrachtung zu kommen. Dazu gehört aus unserer Sicht auch, die Folgen weiterer rechtlicher Auseinandersetzungen kritisch zu hinterfragen.

Mit diesem Brief möchten wir uns ausdrücklich auch an die Mitglieder des BUND wenden. Viele von Ihnen engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Dieses Engagement verdient Anerkennung. Wir möchten Sie dazu einladen, auch die Perspektive der Menschen und Unternehmen in der Eifel in die Diskussion innerhalb Ihres Verbandes einzubeziehen und die Entscheidung zur erneuten Verfassungsbeschwerde kritisch zu reflektieren. Denn auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten einer Region gehören zu einer umfassenden Betrachtung von Nachhaltigkeit.

Wir sind überzeugt, dass Natur- und Artenschutz sowie eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur miteinander vereinbar sein müssen. Dafür braucht es sorgfältige Planungen, wirksame Schutzmaßnahmen und rechtssichere Entscheidungen. Für den A1-Lückenschluss liegen umfangreiche Untersuchungen und Planungen vor. Die Auswirkungen des Vorhabens wurden bereits in verschiedenen Verfahren eingehend geprüft. Aus unserer Sicht sollte nun die Umsetzung des Projekts im Mittelpunkt stehen.

Sehr geehrte Frau Yacoub, wir appellieren deshalb an Sie und den Landesverband des BUND, die Entscheidung zur Verfassungsbeschwerde noch einmal zu überdenken und diese zurückzuziehen. Wir sind der Auffassung, dass nach den bisherigen gerichtlichen Entscheidungen und angesichts der Bedeutung des Projekts für die Region nun der weitere Ausbau vorangebracht werden sollte. Zugleich wünschen wir uns, dass der BUND seine fachliche Expertise weiterhin konstruktiv in die Umsetzung der vorgesehenen Natur- und Artenschutzmaßnahmen einbringt.

Sehr geehrte Mitglieder des BUND, wir würden uns freuen, wenn Sie diese Überlegungen in die Diskussion innerhalb Ihres Verbandes aufnehmen. Wir teilen das Ziel, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren. Zugleich tragen wir gemeinsam Verantwortung dafür, dass die Menschen in unserer Region gute Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfinden und sich die Eifel wirtschaftlich weiterentwickeln kann.

Nach mehr als 50 Jahren der Diskussion und Planung braucht die Region endlich eine verlässliche Perspektive für den A1-Lückenschluss. Dafür setzen wir uns weiterhin mit Nachdruck ein.

Die Eifel braucht Perspektiven statt weiterer Prozesse. Sie braucht einen Lückenschluss statt einer Sackgasse.

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