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01.05.2021

Weinbau hebt ab in die Cloud

Start-up aus Kröv will Markt mit innovativer Softwarelösung für Winzer erobern

„Moosle“ – hier trifft die Mosel auf die Tech-Welt. Eben das soll der Name aussagen: Heimatverbundenheit mit Zukunftsorientierung. Bewusst lehnt sich der Name an Technologieunternehmen wie Google, Apple & Co. an. Denn die Gründer Marius Krämer und Christoph Kinn wollen den Weinbau rundum digitalisieren.
Dazu haben die 26-jährigen Moselaner eine Software entwickelt, die in dieser Art einzigartig sein dürfte und mit der sie bereits in Deutschland, Österreich und der Schweiz Fuß gefasst haben. Mit ihrer Hilfe können die Betriebsinhaber ihre Aufgaben planen, dokumentieren, den Bestand überwachen, Abläufe analysieren und vieles mehr.     
Das sieht dann so aus: Der Winzer plant seinen Tag am PC – markiert auf einer Karte die Parzellen, die bearbeitet werden müssen, berechnet zum Beispiel den Pflanzenschutzmittel   oder Düngerbedarf, teilt seine Mitarbeiter verschiedenen Flächen zu und schickt sie per GPS-Navigation dorthin. Auch sie sind mit Handy im Einsatz und sehen, was wo zu erledigen ist. In den Karten können sie zudem Stellen mit Frostschäden oder Schädlingsbefall eintragen und sehen, wo die anderen Helfer unterwegs sind und schon Arbeiten erledigt haben.

App in elf Sprachen
Treffen sie auf Bodenwellen, die die Maschinen beschädigen können, Wildschwein-Schäden, defekte Pfähle oder ähnliches, markieren sie diese ebenfalls in der Karte, so dass alle anderen gewarnt sind beziehungsweise die Schäden wiederum als neue Arbeitsaufträge im System auftauchen. Und das in Echtzeit.
Dazu gibt es die App bereits in elf Sprachen, von Russisch bis Italienisch. Auch Anleitungen für Fahrzeuge oder Maschinen können hier hinterlegt werden, so dass die Helfer von überall aus Zugriff zu den Informationen haben. Ebenso Videos, Skizzen oder Fotos dazu, wie Arbeiten erledigt werden sollen. Hilfsmittel und Maschinen lassen sich ebenfalls über die App buchen und zuteilen. Da das Ganze auch offline funktioniert, sind Funklöcher kein Problem, sagt Kinn.
Am Ende des Tages sieht der Winzer, welche Arbeiten wo erledigt wurden, wie viele Hilfsmittel verbraucht wurden, wo welche Fahrzeuge im Einsatz waren und was am nächsten Tag zu tun sein wird. Und am Ende des Jahres kann er ein exaktes Fazit ziehen: Wie viel Arbeitszeit und Kosten hat er in einen Weinberg investiert? Effizienz steigern und Kosten verringern, ist das Ziel.
Auch der Wissenschaft kann Moosle mit seinen detaillierten Daten helfen, die in der Cloud gespeichert werden. Versuche lassen sich exakt dokumentieren. Es wird ersichtlich, wo welche Schäden häufiger auftreten, welche Art der Bekämpfung am Ende am besten geholfen hat und so weiter.     

Für Betriebe aller Größen
Klingt, als wäre die Software vor allem für große Betriebe dienlich. Die Entwickler aber betonen, dass selbst kleine Weingüter ihre Arbeit so wesentlich effizienter planen können. Aktuell rangiert die Betriebsgröße ihrer Kunden von 2 bis 130 Hektar.
Dass sie die Abläufe kennen, kommt nicht von Ungefähr. Krämer und Kinn haben selbst von klein auf mit im Weinberg gearbeitet. Beide stammen aus Kröv, gingen zusammen in die Schule, dann trennten sich ihre Wege und sie trafen sich nach vielen Jahren zufällig wieder. Kinn war inzwischen Software-Entwickler mit Schwerpunkt auf Cloud, Web und App, Krämer hatte sich in seinem BWL-Studium vor allem mit dem Innovationsmanagement und Anwendungen des Internet of Things beschäftigt.
Schnell reifte die Idee, zusammen etwas Neues zu entwickeln. Fünf Jahre lang tüftelten sie, probierten Vieles aus, bis die in ihren Augen perfekte Idee stand. Vor einem Jahr stellten sie auf den Agrartagen in Nieder-Olm die erste Moosle-Version vor. „Wir stießen gleich auf eine gute Resonanz, das hat uns bestätigt“, sagt Krämer. Im Dezember 2020 gründeten sie dann ihre GmbH.
Inzwischen ist die Nachfrage so hoch, berichtet Kinn, dass sie sich Verstärkung an Bord geholt haben – ebenfalls einen ehemaligen Schulkollegen. Robin Bechtel-Ostmann aus Monzelfeld ist Software-Engineer, Data-Scientist und hat bereits viele Projekte, vor allem für die Stahlindustrie, gestemmt.
„Wir haben uns bewusst auf den Weinbau als Nische fokussiert“, erklärt Krämer – im Vergleich zur gesamten Landwirtschaft gesehen. Für den Ackerbau gebe es bereits zahlreiche Größen am Markt, „doch der Weinbau habe noch großen Digitalisierungsbedarf“. Den zunehmenden Dokumentationspflichten wollen sie mit modernster Technologie begegnen.  

Künstliche Intelligenz im Weinberg
Bisher sind sie im deutschsprachigen Raum unterwegs. „Aber wir wollen von Europa aus weiter expandieren.“ Ihre Zukunftsvisionen sind groß. Mit Moosle soll auch die künstliche Intelligenz Einzug in den Weinberg halten. Beispielsweise als Grundlage für Maschinen und andere Geräte, die sich selbst steuern können. Ebenfalls geplant ist die Integration der Kellerarbeit in die App, die dann alle Daten aufzeichnet, so dass der Winzer von überall auf sie zugreifen – und im nötigen Fall eingreifen – kann.
„Was uns besonders auszeichnet, ist die Kompatibilität unserer App mit allen Systemen. Wir lassen uns hier nicht einengen. Deshalb binden wir uns auch nicht an einen bestimmten Maschinen-Hersteller“, sagt Krämer.  
Eine Kooperation wird aber bald von sich hören machen: Zusammen mit Clemens Technologies aus Wittlich arbeitet Moosle gerade an spannenden Softwareprojekten rund um Landmaschinen. Mehr wird aber noch nicht verraten…


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