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IHK Trier


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  • 01.03.2021

    Ausbilden trotz Corona

    Zwei Unternehmen zeigen, wie sie die Herausforderung meistern

  • Foto: Thomas Mersch
    Ausbildung

    Thomas Mersch

    Tel.: (06 51) 97 77-3 40
    Fax: (06 51) 97 77-3 05
    mersch@trier.ihk.de

    Foto: Petra Scholz
    Ausbildung

    Petra Scholz

    Tel.: (06 51) 97 77-3 20
    Fax: (06 51) 97 77-3 05
    scholz@trier.ihk.de


Dieser Text ist vom 01.03.2021 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Privat haben wir uns fast daran gewöhnt, unser Leben aufgrund der Corona-Pandemie einzuschränken. Doch in der Arbeitswelt stellen die mit der Pandemie verbundenen Regelungen Unternehmen vor weitere immense Herausforderungen. Ganze Branchen wie die Gastronomie, Veranstaltungsbetriebe oder Teile des Einzelhandels sind von Schließungen betroffen, die eine normale Weiterführung des Geschäftsbetriebs unmöglich machen.
Ausbildungsunternehmen stehen dabei vor einer zusätzlichen Herausforderung: Wie schaffen sie es, bestehende Ausbildungsverhältnisse unter den pandemiebedingten Rahmenbedingungen auf hohem Qualitätsniveau weiterzuführen und ihre Auszubildenden zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen? Denn klar ist: Nach der Corona-Krise werden die eigens ausgebildeten jungen Menschen ein zentraler Faktor für die positive Entwicklung der Unternehmen sein. Aber wie damit umgehen, wenn der eigene Betrieb von einem mehrwöchigen oder monatelangen Lockdown betroffen ist? Was tun, wenn einzelne Unternehmensbereiche stillstehen, die von den Auszubildenden jedoch im Rahmen ihrer Ausbildung zu durchlaufen sind? Und welche Möglichkeiten der Unterstützung gibt es, wenn für den eigenen Auszubildenden durch die derzeitige Situation in Betrieb und Berufsschule ein Erfolg in der Abschlussprüfung gefährdet erscheint?

Digitale Angebote verhindern den Leerlauf
Mit genau diesen Fragen hat sich auch Andrea Mereu, Operation Managerin und Ausbildungsverantwortliche im Weinromantikhotel Richtershof in Mülheim, intensiv beschäftigt. „Wir standen im vergangenen März von einem auf den anderen Tag vor der Situation, unser Hotel schließen zu müssen“, beschreibt Mereu die damalige Situation. Seit diesem Zeitpunkt spielen digitale Lernangebote für die angehenden Köchinnen, Köche, Restaurant- und Hotelfachleute eine ganz wichtige Rolle. „Hierbei war es von großem Vorteil, dass wir uns bereits im Jahr 2020 am regionalen Ausbildungskonzept für gastronomische Betriebe der IHK Trier – HOGANEXT – beteiligt hatten. Durch das dortige Webinar-Programm konnten wir unsere Nachwuchstalente trotz Corona kontinuierlich weiterqualifizieren“, zeigt sich Mereu zufrieden. Darüber hinaus hätten weitere Lernplattformen wie Hogafit.de und azubi:web das Angebot für die Auszubildenden ergänzt.
Noch wichtiger als die digitale Unterstützung ist für Andrea Mereu jedoch die intensive persönliche Betreuung ihrer Schützlinge. „Gemeinsam mit unserem Ausbilderteam halten wir permanenten Kontakt zu den Auszubildenden. Dabei spielen neben den beruflichen Themen auch private Dinge in dieser für uns alle schwierigen Situation eine große Rolle. Dies gilt besonders für ausländische Nachwuchstalente ohne jeglichen Familienanschluss, die ihr Heimatland verlassen haben, um hier in Deutschland eine gute Ausbildung zu absolvieren.“
Da hierzu natürlich auch eine möglichst gute Prüfung gehört, führt das Unternehmen generell, nicht nur während der Schließzeit, intensive und umfangreiche Schulungen durch. Neben der gemeinsamen Bearbeitung alter IHK- Prüfungsbögen stehen Praxistrainings im Vordergrund. „Wir halten beispielsweise für die Auszubildenden, die bald ihre Zwischen- oder Abschlussprüfung absolvieren, in jedem der drei Berufe mehrtägige Intensiv-Trainings ab, die sich gänzlich an den Anforderungen der IHK-Prüfungen orientieren“, erläutert Mereu die Aktivitäten. „Selbstverständlich alles absolut Corona-konform! Ich bin jedoch zuversichtlich, dass es uns mit diesen und weiteren Aktionen zusammen gelingt, auch in der jetzigen, besonderen Zeit eine hochwertige Ausbildung zu gewährleisten.“

Intensiver Austausch zwischen Kollegen und Azubis
Auch weite Bereiche des Einzelhandels sind seit Monaten vom Lockdown betroffen. Dazu zählt das Möbelhaus Thiex in Geichlingen. Das Unternehmen bildet seit vielen Jahren Kaufleute für Büromanagement und im Einzelhandel aus. „Wie viele Einzelhändler stehen auch wir vor der Herausforderung, gerade unseren Auszubildenden im Einzelhandelsberuf trotz Schließung eine Ausbildung auf hohem Qualitätsniveau möglich zu machen“, umschreibt Ausbilder Sven Theisges die Situation. So habe das Unternehmen in einem ersten Schritt sehr flexibel durch die Umstellung der Ausbildungspläne reagiert. „Da alle unsere Auszubildenden unabhängig vom Beruf sowieso jede Abteilung durchlaufen, haben wir die Stationen, die nicht unmittelbar mit dem Kundenkontakt zu tun haben, einfach vorgezogen. Hier haben dann beispielsweise Einweisungen in klassische Back-Office-Tätigkeiten stattgefunden, sodass wir uns für die Zeit nach der Pandemie auf die Ausbildungsinhalte, die direkt mit dem Verkauf zu tun haben, konzentrieren können“, berichtet Theisges.
Um daneben das Thema Warenkompetenz weiter zu entwickeln, hat das Haus einen umfangreichen Schulungsplan aufgestellt. So erklärten beispielsweise erfahrene Verkäufer den Azubis über mehrere Tage die Grundlagen der Küchenplanung. Weitere Schulungsschwerpunkte legten die Ausbilder auf Themen wie Polstermöbel, Garderoben und Bäder sowie dem Themenbereich Schlafen. „Diese Praxistage sehen so aus: Vormittags vermitteln wir die Warenkunde und stellen dazu Aufgaben, die die Auszubildenden anschließend bearbeiten. Abends oder am Folgetag besprechen erfahrene Kollegen diese Aufgaben dann gemeinsam mit Azubis“, beschreibt Theisges den konkreten Ablauf.
Einen weiteren wichtigen Aspekt stellt die intensive Beschäftigung mit den Verkaufsunterlagen dar, die im Regelfall bei größeren Kundenaufträgen zum Einsatz kommen. „Durch die derzeitige Situation haben wir hier sogar den Vorteil, dass wir uns gemeinsam mit unseren Nachwuchskräften noch intensiver als üblich mit der Aufbereitung dieser Unterlagen beschäftigen können. Ein sehr positiver Aspekt ist, dass sie so intensiv den Aufbau der diversen Kataloge, die bei uns zum Einsatz kommen, kennenlernen und sicherer im Umgang mit diesen werden. Dies zahlt sich in späteren Verkaufsgesprächen durch Souveränität aus und gibt Selbstsicherheit. Zudem sind alle relevanten Unterlagen auf dem neuesten Stand und sofort verfügbar, wenn wir wieder öffnen dürfen. Ich bin mir sicher, dass wir mit diesen und weiteren Aktionen und dem Engagement unseres gesamten Teams die Ansprüche, die wir selbst an uns im Ausbildungsbereich stellen, erfüllen werden“, zeigt sich Theisges überzeugt.

Beratungsbedarf gestiegen
Bei so stark veränderten Bedingungen liegt es auf der Hand, dass der Beratungsbedarf der Unternehmen in den vergangenen Monaten stark gestiegen ist – und sich auch inhaltlich verändert hat. „Da unser Beraterteam derzeit kaum Betriebsbesuche durchführen kann, hat sich der Kontakt auf digitale Medien verlagert“, beschreibt Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung der IHK Trier, die Situation. „Egal, ob Fragen zu rechtlichen oder praktischen Aspekten der Ausbildung unter Corona-Bedingungen, zum Umgang mit der derzeitigen Situation an den Berufsschulen oder zu Förderprogrammen bestehen, unser Team steht für solche Themen permanent als Ansprechpartner zur Verfügung.“
Doch auch Auszubildende können sich an die Ausbildungsberater der IHK wenden. Da die etablierten Sprechtage für Azubis in den Berufsbildenden Schulen derzeit nicht durchgeführt werden können, bietet die IHK einen Azubi-Chat an, über den die Auszubildenden schnell und unkompliziert ihre Fragen los werden können. „Im Chat beantworten die Berater jeden Montag zwischen 17:00 und 19:00 Uhr, was den jungen Leuten unter den Nägeln brennt. Auch nach der Pandemie werden wir diesen Kanal beibehalten und so die Auszubildenden dort abholen, wo sie im Alltag zuhause sind: online. Wir laden alle Auszubildenden ein, uns mit ihren Fragen rund um die Ausbildung zu löchern. Wir sind für euch da!“, macht Schneider deutlich. Der Azubi-Chat ist online aufwww.ihk-trier.de/p/Azubi-Chat-5-21025.html.
Spannend wird es sowohl für Ausbilder als auch Auszubildende, wenn es um Weiterbildungs- und Azubiseminare geht. „Unser Projekt FIT IN AUSBILDUNG bietet hier zahlreiche neue digitale Angebote“, wirbt Schneider. Auch die Berufsorientierung sowie die Unterstützung für Eltern als Begleiter im Berufsauswahlprozess ihrer Kinder findet nun konsequent digital statt.
„Unser Ziel ist es, Unternehmen, Azubis und alle an der dualen Berufsausbildung Beteiligten und Interessierten bestmöglich zu unterstützen, damit bestehende Ausbildungsverhältnisse erhalten bleiben beziehungsweise abgeschlossen werden können – und auch, dass in diesem Jahr trotz der schwierigen Umstände möglichst viele neue Verträge zu Stande kommen“, sagt Schneider. Und damit am Ende ein erfolgreicher Abschluss die Ausbildung krönt, zeigt auch das Prüfungsteam der IHK Trier seit Monaten unter erschwerten Voraussetzungen bei jeder Prüfung doppelten Einsatz: „Egal, ob Hygienevoraussetzungen, Organisation größerer Räume und zahlreicher zusätzlich benötigter Prüfer – wir konnten die Durchführung aller IHK-Prüfungen gewährleisten und werden uns auch weiterhin voll dafür einbringen“, verspricht Schneider.

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