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01.10.2017

Zurück in die Erfolgsspur

Studenten finden ihr Glück in der dualen Ausbildung

Gescheitert – und im wahrsten Sinne des Wortes geknickt. So stand Eugenia vor gut einem Jahr in der offenen Sprechstunde, die die Trierer Wirtschaftskammern gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und den Career Services von Universität und Hochschule seit April 2016 anbieten. Auf Eugenia folgten im Laufe der Monate zahlreiche weitere Studenten, die an ihrem Studium zweifelten und nicht weiter wussten. Fast die Hälfte der seitdem beratenen Personen hat den Sprung gewagt, das Studium abgebrochen und eine duale Ausbildung begonnen.

Eugenia profitiert von ihrer Erfahrung
Der Abschied von der Universität war für Eugenia hart. Heute ist sie nicht wiederzuerkennen: aufrecht, souverän, gelassen und mit einem mitreißenden Strahlen im Gesicht. Seit einem knappen Jahr macht sie bei der bit Informatik GmbH in Trier eine Ausbildung zur IT-Systemkauffrau.

„Es gibt immer noch Tage, an denen ich denke: Ich habe versagt, jetzt mache ich ‚nur‘ eine Ausbildung“, erzählt sie. Doch dann treffe sie Kommilitonen aus der Studienzeit, die ihr Studium zwar erfolgreich beendet haben, nun aber keinen Job finden. Dann schaue sie zufrieden auf ihre Ausbildung, in der sie so viel Zeit und Kraft für sich hat wie in der Studienzeit schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. „Es fällt mir vergleichsweise leicht zu lernen.“ In der Schule zeigt sich der Erfolg an den Noten. In der praktischen Ausbildung sieht sie ihn jeden Tag – bei der Arbeit. Ihr gelingen Aufgaben, machen Spaß, vor allem da sie sich immer mehr zutraut. Eugenia telefoniert im Support, durfte schon einen ersten Workshop halten und fühlt sich zu ihrer größten Überraschung im IT-Schwerpunkt ihrer Ausbildung am wohlsten – dem Bereich, den sie ursprünglich als notwendiges Übel hingenommen hatte. Ihre Einschätzung: „Mit 17 hätte ich das nicht geschafft!“ Nun profitiert sie von ihren Erfahrungen, kann ihre eigene Ausbildung aktiv mitgestalten und schaut sich schon nach Weiterbildungen um.

Auch ihr Chef ist begeistert. „Die duale Ausbildung nach dem Studienabbruch ist ein Erfolgsmodell“, erklärt Roland Hein, Geschäftsführer der bit Informatik GmbH. Er hat bereits mehreren Studienabbrechern eine Chance als Auszubildende in seinem Unternehmen gegeben und durchweg positive Erfahrungen gemacht.

Verkürzte Ausbildung möglich

Arlenes Lebenstraum war immer klar: Lehrerin. Heute lernt sie Industriekauffrau bei der Helmut Meeth GmbH. Personalleiterin Daniela Meeth ist zufrieden: „Ich bin noch auf der Suche nach einem neuen Auszubildenden. Hätten Sie noch eine Arlene für mich? Die ist echt gut.“

Am Anfang gab es viel Neues für Arlene. Natürlich. Wie für jeden, der einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Aber sie wusste sich gut auf das neue berufliche Umfeld einzustellen, sich einzufügen und einzubringen. Durch ihre Zeit an der Universität ist sie gewohnt, sich selbst zu organisieren und zu motivieren. Sie stellt Fragen, hat immer Stift und Block dabei und freut sich über konstruktive Kritik. „Ich mag die Arbeit mit den Kollegen und den Kunden. Die praktische Ausbildung gibt mir die Chance, meine Stärken auszubauen und meine Schwächen zu kompensieren.“ Das Kontrastprogramm zwischen der Uni und der Berufsschule bringt Arlene schon eher an ihre Grenzen, aber ihre Noten stimmen. Also bot ihr das Unternehmen eine Ausbildungsverkürzung um ein Jahr an. Doch Arlene geht auf Nummer sicher. So haben sie sich auf ein halbes Jahr geeinigt. Manchmal schaut Arlene mit Wehmut zurück: Was wäre geworden, wenn ich das Studium doch irgendwie gepackt hätte? Aber das gute Gefühl überwiegt: das Wissen, die Ausbildung schaffen zu können, der Spaß an der Arbeit und der Blick auf die vielseitigen Entwicklungsmöglichkeiten. Im Unternehmen bleiben? „Ja sicher – wenn sich die Chance bietet!“



Info

Blickpunkt Wirtschaft
Artikelart: Wirtschaftstrends
Ausgabe: Oktober 2017




Autor

Petra Scholz
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