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Unternehmensnachfolge, IHK Trier
(Foto: Sunny studio - Fotolia)

17.12.2016

Unternehmensnachfolge: mehr Interessenten

Bei der Unternehmensnachfolge im Mittelstand sehen die Industrie- und Handelskammern Lichtblicke. Im Jahr 2015 haben sich erstmals seit 2009 deutlich mehr Personen zur Übernahme eines Unternehmens beraten lassen. Doch die Demografie wirkt sich zugleich immer stärker aus. Immer mehr Alt-Inhaber gehen in den Ruhestand und suchen Betriebsnachfolger. Die Politik ist gefragt, Unternehmensübernahmen zu erleichtern und bessere Konditionen für unternehmerische Selbstständigkeit zu schaffen.

Die Nachfrage steigt, das Angebot aber auch
Insgesamt 5013 Gespräche zur Übernahme eines Unternehmens haben die IHKs im Jahr 2015 geführt, das ist ein Anstieg um 20 Prozent. Erfreulicherweise gibt es mehr weibliche Nachfolge-Aspiranten – ihr Anteil ist in den vergangenen fünf Jahren von 15 auf 22 Prozent gestiegen. Trotzdem bleibt die ungeklärte Unternehmensnachfolge für viele Mittelständler ein wunder Punkt. Im Jahr 2015 haben die IHKs 6483 Senior-Unternehmer beraten, 9 Prozent mehr als im Vorjahr. In den neuen Bundesländern beträgt der Anstieg sogar über 20 Prozent.

Generation Y begibt sich auf eigene Wege

Übernahmeverhandlungen gestalten sich oftmals schwierig: Beim Kaufpreis klaffen die Vorstellungen nicht selten auseinander. 44 Prozent der Alt-Inhaber fordern einen im Vergleich zur Markteinschätzung überhöhten Kaufpreis. Auch ist die ohnehin komplizierte Materie der Nachfolge für Senior-Chefs oft emotional aufgeladen – 37 Prozent fällt es schwer, ihr Lebenswerk „loszulassen“. Zudem gehen die Kinder der Unternehmer zunehmend eigene Wege. Ein „Familienautomatismus“ zur Übernahme des Unternehmens durch Tochter oder Sohn ist immer seltener anzutreffen. Wahr ist auch: 40 Prozent der Nachfolgeinteressenten unterschätzen die Anforderungen an die Übernahme eines Betriebes.

Erbschaftsteuer macht Übergabe teuer
Mit der Einigung bei der Erbschaftssteuer haben Familienunternehmen jetzt zwar endlich Rechtssicherheit. Allerdings wird die Übergabe an die nächste Generation auch teurer. Das macht es den Kindern nicht leicht, ihr Erbe anzutreten. In Zukunft dürften mithin noch mehr Unternehmer einen Nachfolger außerhalb der Familie suchen.

Mittelstand entlasten, Unternehmensgründung erleichtern
Gerade in einer solchen Situation ist es wichtig, den Mittelstand zu entlasten, damit sich frischgebackene Nachfolger ganz darauf konzentrieren können, das Unternehmen auf neuen Kurs zu bringen. Eine Chance bietet sich aktuell mit dem Zweiten Bürokratieentlastungsgesetz. Der Bundestag sollte die Anhebung der seit 50 Jahren gültigen Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 410 Euro auf 1000 Euro beschließen. Das würde viele kleine und mittelgroße Unternehmen von einem Teil der Steuerbürokratie befreien.
Auch das „Angebot“ an potenziellen Nachfolgern muss weiter steigen. Zwar ist die Anzahl der Personen, die sich für eine Übernahme interessieren, gestiegen. Insgesamt aber geht die Motivation, unternehmerisch selbstständig zu sein, seit Jahren zurück. Notwendig ist ein konsistenter Politikmix: Bürokratieabbau etwa durch funktionierende One-stop-Shops in den Regionen und bessere Bedingungen für die Finanzierung, insbesondere für privates Wagniskapital, könnten den Unternehmergeist vieler Menschen wecken. Und: Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde vielen Müttern und Vätern die unternehmerische Selbstständigkeit erleichtern, etwa durch das Recht auf einen Platz an einer Ganztagsschule für ihr Kind.



Ansprechpartner

Raimund Fisch
Existenzgründung und Unternehmensförderung
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