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Riesling comes back

Hoffen auf eine Renaissance der Königin der Reben – Produzenten setzen auf Qualität und einen neuen Weinstil

Über deutsche Weine wird wieder mehr gesprochen und viel positives geschrieben. Die meisten dieser erfreulichen Meldungen werden von bekannten Weinjournalisten im Ausland formuliert und erreichen so auch wichtige Weinbotschafter in Deutschland. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf das enorme Potenzial und die Variabilität von Weinen aus der Rebsorte Riesling gelegt. Meldungen über Chardonnay und Co. rücken international dabei immer häufiger in die zweite oder dritte Reihe.
Diese Signale tun gut. In den USA, in Großbritannien und zunehmend auf dem deutschen Markt findet die Sorte wieder neue Anhänger. "Riesling ist wieder in Mode" so lautet die Botschaft, die seitens der Weinerzeuger entlang von Rhein und Mosel besonders gerne gehört wird.
Dabei wird es auch höchste Zeit, dass sich im Interesse der Weinproduzenten in einer der attraktivsten Weinkulturlandschaften der Welt etwas tut. Über eine lange Zeit besaß das Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer eine relativ konstante Rebfläche von etwa 13 000 Hektar. Doch in den letzten Jahren hat sich auf Grund der unbefriedigenden wirtschaftlichen Situation und vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Nachfolgegeneration ein dramatischer Flächenrückgang vollzogen. Allein in den letzten fünf Jahren ist die bestockte Fläche um knapp 3 000 Hektar zurückgegangen, so dass das Gebiet Ende 2003 eine Rebfläche von etwa 9 200 Hektar ausgewiesen hat. Diese Entwicklung ist nicht ohne Auswirkung auf den Anteil der Riesling-Rebfläche geblieben. Das Gebiet verfügt zwar immer noch über die größte zusammenhängende Rebfläche an Riesling weltweit, doch im Vergleich zu 1964 mit 7 770 Hektar sind es heute nur noch 5360 Hektar, ein Anteil von 57 Prozent an der Gesamtrebfläche.

JUNGE WINZERGENERATION MIT QUALITÄTSANSPRUCH

Einen großen Hoffnungsschimmer für die künftige Entwicklung stellt eine junge, aufgeschlossene Winzergeneration dar, die mehr und mehr von sich reden macht. Diese jungen Leute mit guter Fachausbildung setzen mit Erfolg auf Klasse statt Masse und das Rezept ist recht einfach: klimatisch gute bis sehr gute Weinbergsparzellen in Steillagen, geringer Anschnitt, niedrige Hektarerträge bei 50 bis 70 Hektoliter, späte selektive Lese vollreifer Trauben, schonende Traubenverarbeitung, gezügelte Vergärung, reduktive Jungweinbehandlung. Das Ergebnis: moderne, kraftvoll-mineralische und qualitativ hochwertige Erzeugnisse mit feinen Aromakomponenten und milder Säurestruktur. Solche Weine sind es " allen voran der Riesling " die eine echte Renaissance bei Weinkennern weltweit erleben. Zwei von vielen Belegen: Unter den hundert TOP-Weinen, die das US-Magazin "Wine-Spectator" alljährlich prämiert, fanden sich in diesem Jahr erstmals fünf deutsche Weine, und unter der Bestenliste des DM-Magazins stellt die Mosel bereits seit Jahren ein Viertel der 100 besten Weingüter Deutschlands.
Überall regen sich qualitätsorientierte Winzer mit dem Ziel, Weine zu erzeugen, die auf sich aufmerksam machen und Anklang beim Publikum finden. Gradmesser für diese Entwicklung ist das gesteigerte Interesse guter Betriebe, Parzellen in Spitzenlagen zu erwerben oder mit Besitzern von Weinbergen in besten Lagen Bewirtschaftungsverträge abzuschließen.
Aauch Wilhelm Haag, Vorsitzender des VDP Mosel-Saar-Ruwer, sieht die Moselweine im Aufwind: "Unser Stil zur Erzeugung filigraner, zartfruchtiger Weißweine bei relativ niedrigem Alkoholgehalt ist ideal für unbeschwerten Genuss und kommt hervorragend als Essenbegleiter an. Was gut läuft, sind Weine von fünf bis 15 EUR je Flasche." Etwas Sorgen bereitet ihm der Absatz im Fachhandel und im Fachgroßhandel, der wiederum große Teile der Gastronomie beliefert. "Hier setzen noch zu viele Händler auf den Bekanntheitsgrad von Pinot Grigio, Barolo oder Chardonnay. Zu wenig Kunden und Abnehmer fragen noch gezielt nach Riesling." Anders stelle sich die Situation in Betrieben der TOP-Gastronomie dar, wo sich hochwertige Rieslingweine " einmal gelistet - gut verkaufen. "Wir lösen hier teilweise die teuren Weine aus Bordeaux, dem Piemont oder von Übersee wieder ab", berichtet Haag und ergänzt, dass durchaus restsüße Tropfen darunter sein können.

PROJEKTE UND KONZEPTE FÜR DEN MARKT

In den großen Weinkellereien mit Firmensitz an der Mosel wird ebenfalls an neuen Konzepten geschmiedet. Namen wie Peter Mertes, Reh-Kendermann, Langguth Erben oder Schmitt-Söhne sowie etliche weitere Wein- und Sektkellereien in und außerhalb der Region Trier vermarkten mehr als die Hälfte aller an Mosel, Saar und Ruwer erzeugten Weine. Dabei sind die traditionellen Länder im Export, der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und zunehmend der Discounthandel die wichtigsten Vermarktungswege für diese Betriebe. Nach und nach gewinnen hier Projekte an Bedeutung, bei denen Weinerzeuger, Kommissionäre und Weinkellereien enger zusammenarbeiten. Statt der üblichen Fassweine werden für spezielle Firmenmarken oder wertige Rebsortenweine Trauben oder frischer Traubenmost vom Winzer übernommen oder im Weingut nach vorher vereinbarten Kriterien ausgebaut. Das Ziel ist die Erzeugung von Weinqualitäten, die den Betrieben Chancen auf höhere Erlöse bieten. Doch der deutsche LEH und seine Kunden am Regal tun sich schwer.
Das problematische Image der Moselweine haftet noch in zu vielen Köpfen. Werner Kirchhoff, Vorstandsvorsitzender der Moselland eG, Bernkastel-Kues, bedauert diese Einstellung einer breiten Konsumentenschicht. "Der Kunde traut uns noch nicht zu, dass wir das jahrelang angebotene Produktprofil " lieblich und säurebetont " verändert haben und heute rebsortentypische Weine produzieren, die zu vielen Speisen sehr gut harmonieren." Auch er setzt sich in seiner Genossenschaft mit rund 1 850 Hektar erfasster Rebfläche für Qualitätsprojekte ein. Das Einhalten einer Reihe von vorgegebenen Kriterien honoriert Kirchhoff seinen Mitgliedswinzern durch entsprechende Prämien. So ergänzen nun Classic-Rebsorten-, Ortswein-, Einzellagen- sowie Öko-Projekte das Moselland-Programm und lösen nichts sagende Lagennamen ab.

RIESLING LEGT ZU IM EXPORT

Große Erfolge erzielt Moselwein derzeit im Export. Die Auslandsweinvermarktung hat von jeher eine große Bedeutung für das Anbaugebiet. Im Schnitt liegt der Anteil bei zirka 25 bis 30 Prozent, in einzelnen Betrieben werden durchaus zwischen 60 und 80 Prozent einer Ernte ins Ausland geliefert. Hier sind es heute nicht mehr unbedingt die großen Mengen, die in den Regalen gedreht werden, sondern immer häufiger machen moderne, kontrolliert erzeugte und vergorene Weine in Verbindung mit der Rebsorte Riesling auf sich aufmerksam. Von einem Aufschwung können Vermarkter auf den wichtigen Märkten in England, USA oder Südostasien berichten. Lediglich der japanische Markt bereitet den Weinexporteuren derzeit Sorgen, denn die Krise der japanischen Wirtschaft schlägt sich auch negativ auf den Absatz von Moselweinen nieder. Einer, der mit einem Komplettsortiment hochwertiger deutscher Gutsweine in vielen Ländern der Welt unterwegs ist, ist Johannes Selbach von der Weinkellerei J. & H. Selbach aus Zeltingen-Rachtig. "Die intensive Vorarbeit über Jahre und die aufwendige Betreuung der Importeure und Kunden fängt an, erste Früchte zu tragen." Sehr erfreut ist er über die positive Entwicklung in den USA, wobei es schwierig sei, die Preissteigerungen aus der Ernte 2003 bei gleichzeitiger Schwäche des Dollars am Markt umzusetzen.
Auch bei der Ausstattung und im Marketing haben die Moselaner zugelegt. In vielen Betrieben wurden die traditionellen grünen Schlegelflaschen gegen wertigere moderne Formen und Farben ausgetauscht, Etiketten wurden entrümpelt und von Wappen und üblicher Frakturschrift befreit. Weg vom verstaubten Image, hin zu mehr Emotion, Lifestyle und Anmutung, um auf diese Weise modern gehobene Käuferschichten anzusprechen. Genau diese Kunden, die einen ungezwungenen Umgang mit Wein pflegen und mit Weingenuss eine angenehme und zugleich lockere Atmosphäre verbinden, gilt es zu erreichen. Marktforscher sehen erfreulicherweise bereits Anzeichen dafür, dass Weininteressierte, die bis heute ausländische Produkte aus Frankreich, Italien, Spanien oder Übersee bevorzugt haben, heimischen Erzeugnissen aufgeschlossener begegnen.

WEINFREUNDE IN DER REGION

Dieser positive Trend wird auch in der Region Trier spürbar. Immer häufiger findet eine neue junge weininteressierte Konsumentengeneration Zugang zu Erzeugnissen von Weingütern und Winzern an Mosel, Saar und Ruwer. Diese jungen Kunden haben Spaß daran, sich über die Weine, deren Erzeugungsphilosophie und Qualitätsergebnis zu unterhalten, sie haben Spaß daran, Weine von bekannten und anerkannten Produzenten in der Szenegastronomie zu suchen und zu konsumieren und sie freuen sich darauf, diese Weine unbefangen bei Weinpräsentationen oder auf Hoffesten ihren Freunden vorzustellen. Bei dieser Zielgruppe setzen beispielsweise auch Veranstaltungen im Rahmen des Internationalen Wein- und Gourmetfestivals an. "Rhythm and Wine" von befreundeten Jungwinzern gemeinsam als Weinparty organisiert oder das von den IHKs Trier, Luxemburg und Saarland mitgetragene "Festival-Opening" unter dem Motto "Junge Unternehmer treffen junge Winzer" erfahren eine tolle Resonanz. Eine hervorragende Qualität der angebotenen Weine ist dabei Voraussetzung für derartige Konzeptideen.
Neben den Burgundersorten und vereinzelten Rotweinangeboten steht immer der Riesling im Mittelpunkt der Verkostungen. Heute wie vor Jahren werden bei solchen Anlässen fruchtige Spätlesen oder edelsüße Spezialitäten mit eingebunden, doch immer häufiger kristallisiert sich ein Weinstil heraus, der von dieser jungen und jung gebliebenen Kundschaft gerne nachgefragt wird: "Nicht zu trocken oder gar zu herb soll er sein, mit 11,5 bis 12 Volumenprozent Alkohol, ein wunderbar leicht erfrischender Genuss mit lebendiger feiner Frucht." Klassisch Riesling eben.
Viele Aktivitäten auf unterschiedlichen Ebenen greifen zurzeit erfreulicherweise ineinander, und eine neue Form der Zusammenarbeit der Akteure bringt Bewegung in die Weinszene. Neben der Aufbruchstimmung in einer neuen Winzergeneration, einem zeitgemäßen Weinmarketing bei Großvermarktern und einer deutlich weinaffineren regionalen Gastronomie helfen überregional ausstrahlende Veranstaltungen wie das Moselmusikfestival oder die Antikenfestspiele und das Wein- und Gourmetfestival kräftig mit, der Mosel ein neues Image zu geben. Davon profitieren letztlich alle.


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