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01.11.2017

PKW-Maut schreckt Luxemburger ab

Umfrage zeigt: Handel und Tourismus würden am stärksten leiden

Um bis zu 18 Millionen Euro könnte der Einzelhandelsumsatz in Trier sinken, wenn die PKW-Maut eingeführt wird – und das alleine wegen der ausbleibenden Kunden aus Luxemburg. Zu diesem Ergebnis kommt Stefan Rommelfanger in seiner Diplomarbeit, die er im Bereich Angewandte Humangeografie mit dem Schwerpunkt Raumplanung an der Universität Trier erstellt hat. Damit bestätigen sich die Befürchtungen der IHK Trier zur PKW-Maut: 63,2 Prozent der Befragten gaben an, künftig seltener nach Deutschland zu fahren. 57,3 Prozent wollen Autobahnen meiden und auf andere Straßen ausweichen.

Herausgefunden hat dies der 32-jährige Trierer mithilfe eines Online-Fragebogens, den er unter anderem in Zusammenarbeit mit der IHK Trier erstellt und im Mai 2017 über die sozialen Medien sowie die luxemburgische Presse verbreitet hat. Die 1096 Antworten hat er zusammen mit Experteninterviews für seine Diplomarbeit zu den Auswirkungen der PKW-Maut auf die Grenzregion Trier ausgewertet.

Folge 1: Weniger Fahrten
Wer derzeit täglich oder mehrmals die Woche nach Deutschland fährt, bleibt zwar im Großen und Ganzen dabei. Von 26 auf 18,2 Prozent sinken würde dagegen die Zahl derer, die aktuell nur ein paarmal im Monat die Grenze passieren. Gleichzeitig würde die Gruppe derer wachsen, die nur etwa einmal pro Jahr in die Region Trier kommen: von 2 auf 10,5 Prozent. 8,4 Prozent geben sogar an, dann gar nicht mehr nach Deutschland zu fahren (jetzt 0,1 Prozent). 

„Die Höhe der Kosten spielt für die Autofahrer gar keine so große Rolle“, sagt Rommelfanger. Es zeige sich vielmehr ein psychologischer Effekt: Die Maut werde als Bestrafung für jene wahrgenommen, die in Deutschland einkaufen oder Ausflüge unternehmen wollen. Mehr als zwei Drittel empfinden die Maut als diskriminierend gegenüber Ausländern. Das wirke sich negativ auf das Zusammenwachsen der Grenzregion beziehungsweise Europas aus.

Folge 2: Weniger Autobahn

Die Verkehrsbelastung auf den kommunalen Straßen würde steigen. Autofahrer würden insbesondere auf die B49 und die B419 ausweichen, die Wasserbillig beziehungsweise Grevenmacher mit Trier verbinden. Vor allem die Anwohner in Igel und Zewen würden stark belastet. Öffentliche Verkehrsmittel spielen für die befragten Luxemburger keine Rolle, 99 Prozent fahren mit dem Auto.  

Folge 3: Weniger Einnahmen
Handel und Tourismus würden am stärksten unter der PKW-Maut leiden. Das zeigen die Angaben der Befragten zu den Gründen für ihre Fahrten nach Deutschland. 75,4 Prozent kaufen hier Waren des mittel- und langfristigen Bedarfs wie Kleidung und Spielwaren, 63,5 Prozent Waren des täglichen Bedarfs ein (Lebensmittel). Die Stadt Trier ist mit 89 Prozent mit Abstand das beliebteste Ziel, gefolgt vom Landkreis Trier-Saarburg mit 45,9 Prozent.

Rommelfangers Schätzung: Da die Luxemburger aktuell mit circa 150 Millionen Euro zum Einzelhandelsumsatz Triers beitragen, sei mit einer Reduzierung um 16 bis 18 Millionen Euro zu rechnen, wenn nach seiner Prognose 8,4 Prozent der Luxemburger Kundschaft ausbleiben. Betroffen vom Umsatzverlust wären vor allem inhabergeführte Geschäfte, die Produkte im höheren Preissegment anbieten.
 
Auch die Tourismusbranche bekäme dies zu spüren. 41 Prozent der Befragten unternehmen bislang Tagesausflüge in die Region, jeder Zweite bleibt übers Wochenende, 13,3 Prozent verbringen hier ihren Urlaub. 36,7 Prozent kommen wegen des gastronomischen Angebots über die Grenze (Mehrfachnennungen waren möglich).

Perspektive und Alternativen
Rommelfanger glaubt nicht an eine anhaltende Protesthaltung der Luxemburger, die Kundenzahlen würden nach einiger Zeit wieder steigen. Trier sei dank seiner hochwertigen Fachgeschäfte, dem guten Einzelhandelsmix, Service und Preis-Leistungsverhältnis sowie dem schönen Ambiente ein geschätzter Einkaufsstandort.

Ideal wäre aus Sicht aller Experten eine einheitliche europäische Lösung. Die Folgen abmildern könnte zumindest ein mautfreier Korridor, beispielsweise von der Grenze bis zur Ausfahrt Trier. „Es stellt sich aber die Frage, wo man die Grenze zieht. Und die dahinterliegenden Gemeinden würden sich immer benachteiligt fühlen.“

Das Konzept der Nutzerfinanzierung hält der Geograf für sinnvoll, allerdings müsse das Geld dann auch kontinuierlich in den Verkehr fließen. Und es müssten alle an den Kosten beteiligt werden – auch die Deutschen.




Info

Blickpunkt Wirtschaft
Artikelart: Wirtschaftstrends
Ausgabe: November 2017




Autor

Ursula Bartz
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