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01.03.2017

Junger Syrer auf dem Weg in die Ausbildung

IT-Haus Föhren GmbH engagiert sich für Flüchtling

Ahmad Kharzom ist 21 Jahre alt. Aufgewachsen ist er in Kalily, einem Ort in der Nähe von Aleppo in Syrien. Nach dem Abitur begann er ein Wirtschaftsstudium an der Universiät Aleppo, das er bereits nach kurzer Zeit wieder abbrechen musste. Auf dem Weg zur Hochschule war es immer wieder zu Zwischenfällen mit Scharfschützen gekommen, die am Wegrand lauerten und willkürlich auf Passanten schossen. Die Lage spitzte sich so weit zu, dass Kharzom den schweren Entschluss fasste, über die Türkei nach Deutschland zu fliehen.

In Deutschland führte ihn sein Weg zunächst nach München, wo er einige Zeit in einer Aufnahmeeinrichtung verbrachte. „Das war ziemlich langweilig“, berichtet er. „Also beschloss ich, die Zeit sinnvoll zu nutzen und Deutsch zu lernen. Im Internet fand ich 150 Selbstlernlektionen, mit denen ich mir die Sprache beibrachte.“ Inzwischen beherrscht er sie auf C1-Level und hat damit das zweithöchste Sprachniveau nach dem europäischen Referenzrahmen erreicht.

Ankunft in Trier
Nach einiger Zeit wurde Kharzom nach Trier „verlegt“, wo er die Anerkennung als Flüchtling erhielt. Danach führte ihn sein Weg erneut an die Universität – diesmal jedoch in Trier. „Aber auch hier konnte ich nicht lange bleiben“, sagt Kharzom, „denn ich muss Geld verdienen. Das ist mit einem langen Studium nicht möglich.“ Ein Hilfsjob komme für ihn aber auch nicht in Frage, denn ihm sei bewusst, dass er damit in Deutschland keine berufliche Langzeitperspektive habe. Also entschied er sich für eine duale Ausbildung. So kann er nicht nur einen Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf erwerben, sondern auch gleichzeitig Geld verdienen und den Grundstein für einen aussichtsreichen Einstieg in das Berufsleben legen.

Chance auf Ausbildung
8. September 2016: Tag der Chancengarantie in Trier. Einer der rund 70 Flüchtlinge, die gekommen waren, um an der von IHK, HWK, Agentur für Arbeit und den Jobcentern der Region organisierten Vermittlungsbörse für Flüchtlinge teilzunehmen, war Ahmad Kharzom. Zwar bescherte ihm der Tag noch keine Ausbildungsstelle, dafür aber einen Termin mit Julia Achtmann vom Jobcenter Trier-Saarburg. Von ihr erfuhr Kharzom, dass er gegebenenfalls ein Praktikum bei der IT-Haus Föhren GmbH absolvieren könne. In einem Schulterschluss mit dem Willkommenslotsen der IHK Trier, Larson Arend, gelang es schließlich, dem jungen Mann den Einstieg in das Unternehmen zu ermöglichen.

IT-Haus GmbH bereitet Weg in die Ausbildung
Nach dem Praktikum im Dezember 2016 war für das Unternehmen klar: „Der junge Mann soll bei uns eine Chance erhalten.“ Allerdings hatte man keine genaue Vorstellung darüber, wie man die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn sinnvoll überbrücken könne. Eine Antwort darauf wusste Larson Arend: „Sie können mit ihm eine Einstiegsqualifizierung (EQ) durchführen.“ Damit habe Kharzom die Gelegenheit, bereits in den Beruf hineinzuwachsen und gleichermaßen weiter Deutsch zu lernen.

Seit dem 1. Januar absolviert Kharzom nun schon eine EQ bei der IT-Haus. GmbH. „Als ich am ersten Tag in den Betrieb kam, hatte ich Angst. Aber Frau Peters von der Personalleitung und die Kollegen waren von Anfang an nett zu mir und helfen mir auch heute noch, wo sie können“, berichtet Kharzom.

Auch Ingo Burggraf, Geschäftsführer der IT-Haus GmbH, ist zuversichtlich: „Wir sind sehr zufrieden mit Ahmad Kharzom. Er ist engagiert, entwickelt sich gut und macht große Fortschritte in Deutsch, was im Vertrieb auch notwendig ist.“ In diesem Bereich müsse man sich sprachlich auf hohem Niveau bewegen. „Deshalb werden wir ihm und einem weiteren syrischen Flüchtling, der Anfang Februar von Larson Arend an uns vermittelt wurde, zweimal in der Woche jeweils zwei Stunden zusätzlichen Deutschunterricht anbieten.“ Beeindruckt habe ihn auch die Dankbarkeit des jungen Mannes und dass er zu schätzen weiß, welche Chance ihm das Unternehmen bietet. „Wenn er sich so weiterentwickelt, sind die Aussichten gut, dass er am 1. August eine Ausbildung bei uns beginnt. Und dass wir junge Menschen ausbilden, um sie danach zu übernehmen, das weiß Herr Kharzom.“

Auf die Frage, warum sich das Unternehmen derart für Flüchtlinge engagiere, erklärt Burggraf, dass man beim IT-Haus immer auf der Suche nach guten und motivierten Nachwuchskräften sei. Dabei spiele es keine Rolle, woher sie kämen oder welcher Religion sie angehörten. „Ahmad Kharzom steht auf der Treppe zur Ausbildung ganz weit oben; das ist bei anderen – auch aus der Region stammenden Jugendlichen – noch längst nicht der Fall. Und wenn er ernsthaft will, dann unterstützen wir ihn auch“, so Ingo Burggraf.




Info

Blickpunkt Wirtschaft
Artikelart: Wirtschaftstrends
Ausgabe: März 2017




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Alexandra Lossjew
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