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Paradigmenwechsel, Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG
(Foto: Franz Metelec - Fotolia.com)

02.06.2017

Erneuerbare Energien: Ausschreibungen funktionieren

Das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibt vor, dass Windräder, Solar- und Biomasseanlagen künftig nur noch dann staatliche Förderung erhalten, wenn der Anlagenbetreiber zuvor bei einer Ausschreibung den Zuschlag erhalten hat. Bei den wichtigsten Erneuerbaren-Technologien Windparks an Land, Windparks auf See, Photovoltaik und Biomasse ist damit die Zeit der politisch festgelegten starren Förderhöhe zu Ende. Nur kleine Anlagen erhalten noch staatlich festgelegte Zuschüsse ohne Ausschreibung.

Starker Gegenwind für Paradigmenwechsel

Mit den Ausschreibungen hat die Politik bei der Förderung erneuerbarer Energien einen Paradigmenwechsel vollzogen. Damit reagierte die Bundesregierung auf den teilweise extrem schnellen und für die Stromkunden teuren Zubau, der die EEG-Umlage in der Vergangenheit in die Höhe schnellen ließ. Trotzdem gab es erhebliche Widerstände gegen die neue Mengensteuerung über Ausschreibungen. So wurde davor gewarnt, die Förderung würde gegenüber der staatlich festgelegten Vergütung nicht sinken, kleine Akteure würden aus dem Markt gedrängt und viele Projekte könnten nicht realisiert werden. Alle drei Vorhersagen sind nicht eingetroffen.

Ausschreibungen lassen Förderkosten purzeln

Die bisherigen Ergebnisse sind beeindruckend: Bei der Photovoltaik, die bereits seit 2015 auktioniert wird, sind die Förderzusagen innerhalb von zwei Jahren um 30 Prozent von 9,17 auf 6,58 Cent je Kilowattstunde (kWh) gesunken. Bei Windparks an Land brachte die erste Ausschreibungsrunde ein Ergebnis von 5,71 Cent/kWh und lag damit um 20 Prozent unter dem gesetzlich festgelegten Höchstwert von 7 Cent/kWh. Noch überraschender endete die erste Runde für Windparks auf See: Drei der vier erfolgreichen Gebote bauen sogar ohne Förderung. Diese Windräder werden aber erst Mitte der 2020er-Jahre Strom liefern. Die Projektierer rechnen damit, dass bis dahin noch deutlich leistungsfähigere Turbinen zum Einsatz kommen und dass die Strompreise gegenüber heute zulegen. Der Trend sinkender Förderkosten zieht sich also durch alle Technologien und wird sich fortsetzen.

Realisierungsrate hoch, kleine Akteure mit vielen Zuschlägen
Nicht automatisch wird ein Projekt nach dem Zuschlag auch realisiert. So kann sich ein Investor mit seinem Gebot verkalkuliert haben und die Rendite daher nicht auskömmlich sein. Bisher ist dies aber kein Problem. Die Realisierungsraten liegen jenseits der 90 Prozent. Interessant: Bei der ersten Runde der Ausschreibungen für Windanlagen an Land gingen über 90 Prozent der Projekte an Bürgerenergiegesellschaften. Auch diese kleinen Akteure sind also offensichtlich in der Lage, mit ihren Geboten mit professionellen Projektierern mitzuhalten.

Wie lange brauchen erneuerbare Energien noch eine Förderung?
Die positiven Erfahrungen mit den Ausschreibungen zeichnen den Weg vor, dass erneuerbare Energien in naher Zukunft ohne Förderung auskommen werden. Offensichtlich ist, dass auf jeden Fall Anlagen an guten Standorten eine Zukunft ohne das EEG haben. Eine Herausforderung bleibt bei Windparks an Land und Photovoltaik, dass diese Anlagen jeweils zur gleichen Zeit produzieren - immer, wenn Wind weht oder die Sonne scheint. Dadurch sorgen sie für niedrige Preise an der Strombörse. Was den Stromhändler freut, führt aber zu geringen Erlösen für die Anlagenbetreiber. Je mehr Windräder und Photovoltaik-Anlagen gebaut werden, desto stärker wird dieser Effekt. Wenn es in den 2020er-Jahren tatsächlich zu einem weitgehenden Ausbau ohne Förderung kommen soll, müssen deshalb die Rahmenbedingungen für die Vermarktung von Grünstrom erleichtert werden: So ist es derzeit z. B. nur in Ausnahmesituationen erlaubt, Strom zwischenzuspeichern. Je mehr Windräder sich drehen, desto attraktiver wird ein Speicher, um den Strom später zu einem besseren Preis verkaufen zu können.