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Fördermittel
(Foto: DOC RABE Media - Fotolia)

24.07.2017

EU-Forschungsförderung: Nur mit Wirtschaft

Das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ leistet einen wichtigen Beitrag für die industrielle Forschung auch in Deutschland. Der DIHK sieht daher mit Sorge, dass das EU-Parlament und die Kommission bei der Ausgestaltung des nächsten EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation (FRP9) die finanzielle Förderung von Projektpartnern aus der Wirtschaft infrage stellen.

Hohe Bedeutung der Industrie für Innovationen und Arbeitsplätze
Die Industrie treibt hierzulande den Fortschritt voran. Sie leistet mehr als 85 Prozent der privatwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Sie ist auch Grundlage für viele Arbeitsplätze in unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen und formt damit das Netzwerk Industrie. Großunternehmen, KMU und Forschungseinrichtungen profitieren so von gemeinsamen Innovations- oder Forschungsprojekten.

Forschungs- und Innovationsförderung für Unternehmen infrage gestellt

Dennoch sprechen sich einige EU-Staaten aus Haushaltsgründen dafür aus, die von der Wirtschaft sehr geschätzte zweite Säule im FRP9, „Leadership in Industry“, abzuschaffen und damit die Mittel für Industrieforschung an Zukunftstechnologien zu streichen. Stattdessen soll ein Europäischer Innovationsrat („European Innovation Council“, EIC) eingerichtet werden, dessen Rolle bisher noch völlig ungeklärt ist. Damit ist ungewiss, in welcher Form die Industrie am nächsten Rahmenprogramm noch inhaltlich beteiligt wird.

Hinzu kommt: Das Europaparlament verlangt in einem Initiativbericht eine Prüfung, ob Projektpartner aus der Industrie künftig statt Zuwendungen nur Darlehen erhalten beziehungsweise nur auf eigene Kosten teilnehmen dürfen. Dies bedeutet für Unternehmen eine weitere Unsicherheit über die finanzielle Förderung.

Experten für Förderung des gesamten Innovations-Ecosystems

Positiv stimmt hingegen der Anfang Juli vorgelegte Bericht einer von der EU-Kommission eingesetzten Expertengruppe. Der Titel des Berichts „LAB – FAB – APP“ (Laboratory – Fabrication – Application) steht für einen ausgewogenen Ansatz mit einer klaren Botschaft: Um die Wirkung von geförderten Forschungs- und Innovationsprojekten zu verstärken, müssen auch zukünftig alle Teile der Innovationskette gefördert werden. Die Experten machen klar, dass dies neben Hochschulen und Forschungseinrichtungen auch Unternehmen aller Größenklassen einschließt. Die zentrale Aufgabe der europäischen Forschungs- und Innovationsförderung sehen sie darin, exzellente Forschungsergebnisse in innovative Produkte zu transferieren, für die es Nachfrage am Markt gibt und die so Wachstum sowie Arbeitsplätze schaffen. Zu den Empfehlungen der High Level Group zählt daher, das bisherige Budget von Horizont 2020 im Nachfolgeprogramm zu verdoppeln. Gleichzeitig müssten jedoch auch die nationalen Budgets für Forschung und Innovationen steigen, so die Expertengruppe.

Attraktive Beteiligungsmöglichkeiten für Wirtschaft sicherstellen
Aus Sicht der deutschen Wirtschaft sollten sich die politisch Verantwortlichen in Brüssel und Berlin die Empfehlungen dieses Berichts zu eigen machen. Konkret bedeutet das, auch im FRP9 attraktive Beteiligungsmöglichkeiten für die gesamte europäische Wirtschaft zu schaffen. Dies ist wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern und zu stärken.