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Türkei, Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen, IHK Trier
(Foto: Onur - Fotolia.com)

13.04.2017

Deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen: Gesprächsfaden nicht abreißen lassen

Mit Interesse und Sorge blickt die deutsche Wirtschaft auf das Türkei-Referendum am 16. April 2017 zur Einführung eines Präsidialsystems. Laut der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer zeigen deutsche Unternehmen derzeit eine abwartende Haltung und prüfen mögliche Auswirkungen des Referendums auf ihre Geschäftsentwicklungen vor Ort.

Türkische Zentralbank muss Lira stabilisieren
Der Putschversuch im vergangenen Jahr und die darauffolgenden Aktionen der türkischen Behörden, insbesondere die vielen Entlassungen, haben ihre Spuren in den deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen hinterlassen. Schon 2016 wurden die Anfang des Jahres prognostizierten deutschen Exportzuwächse deutlich verfehlt: Statt der erwarteten fünfprozentigen Steigerung gab es einen Rückgang um zwei Prozent. Während in den ersten sechs Monaten die deutschen Ausfuhren noch um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zulegten, brach der Exportumsatz im zweiten Halbjahr 2016 um 5,7 Prozent ein. Hauptursache hierfür war die starke Abwertung der türkischen Lira – eine Folge der politischen Turbulenzen. Für den deutschen Export in die Türkei ist es daher hilfreich, dass die türkische Zentralbank dieser Entwicklung mithilfe geeigneter finanzpolitischer Maßnahmen gegensteuert.

Beratungsangebote zur Abschätzung von Risiken nutzen
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag geht für 2017 von einem weiteren Rückgang der deutschen Exporte um fünf Prozent (minus 1,6 Milliarden Euro) aus. Auch für die türkische Wirtschaft insgesamt ist die Prognose eher ernüchternd. Ihre beachtlichen BIP-Wachstumsraten von 2010 (9 Prozent) und 2011 (8 Prozent) konnte die türkische Wirtschaft zwar schon in den vergangenen Jahren nicht mehr wiederholen, die Aussichten für 2017 sind laut der internationalen Ratingagentur Fitch mit 2,4 Prozent BIP-Wachstum aber noch einmal um einiges verhaltener. Für deutsche Unternehmen birgt die schwächelnde türkische Wirtschaft große Unsicherheiten. Deshalb sollten Betriebe verstärkt Beratungsangebote, beispielsweise die der AHK Türkei, zur Risikoabwägung bei Investitionsentscheidungen nutzen. Bei Schwierigkeiten in Hinblick auf Handelsabwicklungen oder bei der Beantragung von Arbeitserlaubnissen und Aufenthaltsberechtigungen konnte die AHK Türkei in jüngster Zeit bereits erfolgreich Unterstützung leisten.

An der Türkei als Wirtschaftspartner festhalten
Mit mehr als 6800 auf dem türkischen Markt aktiven deutschen Unternehmen und einem durch Deutschland aufgebauten Kapitalstock von mehr als zehn Milliarden Euro hat die deutsche Wirtschaft große Hoffnungen in den türkischen Markt gesetzt. Die momentane Investitionszurückhaltung – insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen – ist zweifelsohne nachvollziehbar. Dennoch sollte die deutsche Wirtschaft insgesamt an der Türkei als Wirtschaftspartner festhalten – nicht zuletzt aufgrund des Potenzials, das sich aus der demografischen Entwicklung und dem damit zusammenhängenden starken Binnenkonsum in der Türkei ergibt. Auch die zahlreichen gigantischen Infrastrukturprojekte, an denen die Türkei trotz schwächelnder Wirtschaft festhält, könnten deutschen Unternehmen in Zukunft interessante Aufträge einbringen. Dazu zählen Bauvorhaben wie der dritte Flughafen in Istanbul, die längste Hängebrücke der Welt über die Meerenge der Dardanellen oder die „Marmara-Autobahn“ zur nördlichen Umgehung Istanbuls.




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